Das Projekt KOLOT – קולות – STIMMEN wurde 2024 als dokumentarisches und künstlerisches Vorhaben gegründet. Seither sammelt es Stimmen und entwickelt daraus narrative Videointerviews, die die Folgen der Massaker thematisieren und die Wirkung von Gewalt in jüdischen Biografien nachzeichnen. Die im Rahmen von KOLOT produzierten Videos sind zeitgeschichtliche Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023.
Für die Wiedergabe wird eine stabile Internetverbindung empfohlen.
Der 7. Oktober 2023 markiert eine tiefe Bruchstelle für die jüdische Gemeinschaft.
2024 gründete Marina Chernivsky das Projekt KOLOT, mit dem Ziel, ein zeitgeschichtliches Archiv zu entwickeln. In narrativen Videointerviews reflektiert das Projekt die Folgen des terroristischen Angriffs und beleuchtet die Gleichzeitigkeit und Nachwirkungen von Gewalt in jüdischen Biografien.
Das mit dem ELNET Award 2025 ausgezeichnete Projekt KOLOT zählt zu den ersten in Deutschland und Europa, die sich in dokumentarischer und künstlerischer Form mit dem 7. Oktober 2023 und seinen Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft auseinandersetzen.
Die im Rahmen des Projekts entstandenen Videos bilden ein Mosaik persönlicher Erzählungen – individuelle Stimmen, die zugleich kollektive Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 abbilden.
KOLOT ist aus dem Anspruch der Zeugenschaft heraus entstanden und aus dem Bewusstsein einer Verantwortung: jüdische Stimmen hör- und sichtbar zu machen und sie zu bewahren. Indem den Erfahrungen sprachlich und medial Ausdruck verliehen wird, entsteht ein Akt der Selbstermächtigung.
Eröffnet wurde das Projekt im Oktober 2024 mit einer Auftaktveranstaltung im Jüdischen Museum Berlin. Im August 2025 werden die ersten Interviews erstmals in voller Länge veröffentlicht. Im November 2025 verlieh ELNET den Preis in der Kategorie Kultur an KOLOT.
Die Videointerviews von KOLOT gehen in die Sammlung des Jüdischen Museums Berlin ein. Das Projekt knüpft damit an die Tradition der oral history an, um jüdisches Erinnern als Zeugenschaft und als aktive Praxis festzuhalten.
Geplant sind 20 Videointerviews. Die Fortsetzung des Projekts ist angestrebt.
Das Projekt wird von OFEK e.V. getragen und durch die Förderung des Bundesministeriums des Innern ermöglicht.

Mehr Informationen folgen demnächst.
Der Trägerverein von KOLOT, OFEK e.V., ist die erste Fachberatungsstelle in Deutschland, die auf Antisemitismus und Communitybasierte Betroffenenberatung bei Gewalt und Diskriminierung spezialisiert ist. OFEK arbeitet bundesweit und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: 1.) fallbezogene Betroffenenberatung, 2.) Stärkung und Empowerment der Community, 3.) antisemitismuskritische Beratung für Institutionen, 4.) Advocacy und fachpolitische Interessensvertretung.
OFEK ist erreichbar über die bundesweite Hotline und verfügt über Beratungsstandorte in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (im Aufbau). OFEK berät vertraulich und kostenfrei zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Die Beratung von Betroffenen orientiert sich an den fachspezifischen Qualitätsstandards professioneller Opfer- und Antidiskriminierungsberatung. OFEK leistet Beratung zu rechtlichen Möglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus, psychosoziale Betroffenenberatung bei Vorfällen und psychologische Beratung und Krisenintervention, fallbezogene Öffentlichkeitsarbeit und vermittelt bei Bedarf professionelle weiterführende Angebote. OFEK berät ungeachtet der strafrechtlichen Relevanz, stärkt die Ratsuchenden, richtet den Blick auf Handlungsmöglichkeiten und berücksichtigt in der Beratung familienbiografische Erfahrungen mit Antisemitismus und Diskriminierung. Fallbezogene Beratung ist stets parteiisch im Auftrag der Betroffenen und orientiert sich an ihren Wünschen und Bedürfnissen. Alle Angebote können auf Deutsch, Hebräisch, Russisch und Englisch in Anspruch genommen werden.
OFEK bietet darüber hinaus stärkende Gruppenberatung und passgenaue Empowerment-Formate an und leistet Awareness-Begleitung von Veranstaltungen. An Institutionen im Kultur- und Bildungsbereich, Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Träger:innen richten sich OFEK-Formate der institutionellen Fachberatung zu Schutzkonzepten, Notfallplänen und Interventionsmanagement sowie zahlreiche Weiter- und Fortbildungsformate.
Presseanfragen: presse@ofek-beratung.de | +49 176 46 29 46 08
Es braucht nur Mut. Jüdische Allgemeine, 26.11.2025 (Link)
CPPD-Podcastfolge ERINNERUNGSFUTUR: Nicole Schweiß im Gespräch mit Marina Chernivsky. DialoguePerspectives Podcast, 04.09.2025 (Spotify | Apple Podcasts)
Über die Zäsur sprechen. Jungle World, 21.08.2025 (Link)
KOLOT – קולות – Jüd:innen in Deutschland die Stimme(n) zurückgeben. Radio Corax, 07.08.2025 (Link)
Das »Ofek«-Projekt »Kolot« dokumentiert Erfahrungen von Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach dem 7. Oktober 2023. Jüdische Allgemeine, 07.08.2025 (Link)
Psychologin: Seit 7. Oktober leben Juden in “paralleler Realität”. Katholische Nachrichtenagentur, 06.08.2025 (Link zum Artikel in der Evangelischen Zeitung)
Projekt „Kolot“: Jüdinnen und Juden erzählen von Erfahrungen nach dem 7. Oktober. Deutschlandfunk/Tag für Tag, 06.08.2025 (Link).
Videoprojekt sammelt deutsch-jüdische Stimmen zum Nahostkonflikt. WDR 3 Mosaik, 06.08.2025 (Link)
OFEK startet Portal mit jüdischen Stimmen zu den Folgen des 7. Oktober. Evangelischer Pressedienst, 04.08.2025 (Link zum Artikel in der Jüdischen Allgemeine)
Gesammelte Stimmen – Projekt „Kolot“ erfasst Zeugnisse zum 7. Oktober. Deutschlandfunk Kultur/Aus der jüdischen Welt, 28.02.2025 (Link)
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Stand: 17. Juni 2025
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Der 7. Oktober ist etwas, was sehr, sehr schwer in Worte zu fassen ist. Für alle, für alle Angehörige der jüdischen Community weltweit hat dieser Tag ein großes Trauma bedeutet und natürlich auch eine Retraumatisierung. Einer jüdischen, das infrage stellen der jüdischen Existenz als Ganzes. Nicht nur eine individuelle Existenz als einzelner Mensch, als Angehörige dieser, dieser Community, sondern eben tatsächlich auch etwas unvorstellbares, nämlich tatsächlich genau das, was die Shoah, was die Nationalsozialisten versucht haben, eben die Auslöschung des jüdischen Volkes als Ganzes, wie auch schon über die Generationen und die Jahrhunderte und Jahrtausende zuvor es immer wieder auch Angriffe auf das jüdische Volk, auf das jüdische Leben als Ganzes gegeben hat. War dieser 7. Oktober genau auch wieder das. Und er spielte ja auch genau mit diesen gleichen Bildern und mit diesen gleichen Handlungen. Es war ein Pogrom, dass nichts anderes zum Ziel hatte, als das jüdische Volk zu vernichten, so viel wie möglich Jüdinnen und Juden zu töten, zu erniedrigen, zu foltern und das sichtbar zu machen vor den Augen der Welt. Das ist etwas, was wir natürlich auch aus dem Nationalsozialismus kennen. Nicht in dieser Form. In einer etwas anderen Form. Aber auch da wurde dokumentiert, sehr penibel dokumentiert, wie jüdisches Leben, wie Jüdinnen und Juden schrittweise entrechtet und aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen werden sollten. Und was am 7. Oktober 2023 passiert ist, das war ein Überfall auf alle Menschen in Israel. Es waren ja eben nicht nur Jüdinnen und Juden, die angegriffen wurden, sondern es sollten einfach alle getötet werden, die sich dort zu diesem Zeitpunkt aufhalten. Es waren ja auch viele Menschen dabei, zum Beispiel aus Thailand, die dort auf den Feldern der Kibbuzim gearbeitet haben, die dann eben auch getötet wurden, von denen auch viele verschleppt wurden. Und vor allen Dingen auch vor den Augen ihrer Freunde, Freundinnen, Angehörigen, gefoltert wurden. Und das ist auch etwas natürlich, was wir aus diesem, aus den Konzentrationslagern kennen. Und es gibt auch diese ganzen Geschichten, an die wir uns alle irgendwo auch klammern. Diese Geschichten von Mut, von Einzelnen, die dann versucht haben, auch andere zu retten. Und all diese Geschichten, die treiben mich tatsächlich auch persönlich um, seit dem 7. Oktober. Es sind alle Geschichten im Prinzip auch wenn wir jetzt selber oder wenn ich selber nicht am 7. Oktober dort war, dann fühle ich mich seit dem 7. Oktober 2023, also seit fast über einem Jahr, so als hätte ich jede Sekunde dieses Attentats, was ja im Prinzip bis heute andauert, dieses Verbrechen miterlebt.
Und es sind einfach diese Bilder, die ich mit mir trage, die Bilder, mit denen ich abends ins Bett gehe und es sind diese Bilder, die ich, die ich mit mir trage und die ich auch nicht loswerde und die ich auch nicht wegschieben möchte. Also dieses Privileg, dass nehme ich mir einfach nicht. Das geht nicht. Dass kann ich nicht machen. Ich muss auch diese Bilder irgendwo auch zulassen, weil ich denke, ich denke, dass es wichtig ist, die Bilder auch nach außen zu tragen und darüber zu sprechen. Aber es sind eben genau auch diese Bilder, die mich dann eben auch nicht schlafen lassen. Es sind die Bilder, mit denen ich ins Bett gehe abends und die Bilder, die mich im Traum begleiten. Und es sind die Bilder der Menschen, der getöteten Menschen, all ihrer Geschichten, Familiengeschichten und der, die verschleppt wurden, mit denen ich auch morgens wieder aufwache, mit denen ich dann auch den Tag wieder beginne.
Und es ist schwierig, zum Beispiel so ganz einfache Situationen zu meistern. Wenn ich im Treppenhaus einer Nachbarin begegne, also einer nichtjüdischen Nachbarin, die mich ganz, ja naiv unbefangen fragt „Na, wie geht’s?“ Dann weiß ich oft wirklich nicht, was ich darauf antworten soll. Es ist schwierig, mit dieser Situation zu leben. Es wäre vielleicht einfacher, in Israel zu sein und da diesen kollektiven Schmerz gemeinsam zu erleben als in einer Nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft. Wir leben ja nicht ghettoisiert. Ich habe auch mit vielen nichtjüdischen Menschen natürlich nach wie vor zu tun, aber auch nicht mit allen. Es hat sich einfach sehr, sehr vieles verändert. Es sind Freundschaften weggebrochen, kollegiale Verbindungen sind zerstört und das Leben an sich tatsächlich für mich als Person, als Privatperson, als arbeitende Person, als Journalistin, Fotografin, hat sich grundlegend verändert.
Es ist nichts mehr so wie zuvor. Es war ja ein Schabbat und ich wollte mal ein bisschen ausschlafen und wurde dann geweckt von meiner Frau, die aufsprang und sagte „Es ist was passiert. Es ist im Süden etwas passiert“. Die Hebräisch spricht und schreibt und dann eben auch gleich Nachrichten bekam von der Familie, von Freundinnen und die gingen dann zeitgleich auf unseren Handys ein. Also es machte dann nur noch wirklich in Sekunden schnelle Pling, pling, pling, pling, pling und wir waren sofort hellwach, ohne dass wir jetzt gleich genau wussten, was passiert ist, was genau passiert ist. Aber es sickerten doch immer mehr Informationen durch und dieser Tag ist eigentlich wirklich wie, wie, wie in einem Nebel irgendwo an uns vorbeigegangen. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass wir irgendetwas gegessen haben. Wir haben fast nur telefoniert oder die Nachrichten geschaut und Videocalls gemacht mit Angehörigen in Israel, aber eben auch mit der Familie in Deutschland. Also ich habe vorhin schon erwähnt, meine Mutter ist ja 1935 in Berlin geboren, also Child Survivor und sie hat das auch sehr schwer getroffen. Seitdem ist auch für sie natürlich das Leben nicht mehr so, wie es vorher war. Wir haben schon immer viel telefoniert, täglich, mehrfach. Aber jetzt telefonieren wir auch nachts mehrfach. Denn bei ihr ist es tatsächlich auch so, dass diese Bilder noch mal was ganz anderes bewirken, als für mich in der Situation. Obwohl ich natürlich auch mit diesen Bildern und Geschichten und nicht nur Geschichten, es sind ja keine erfundenen Geschichten, sondern eben auch Informationen. Aber diese überlieferten Geschichten und die überlieferte Familiengeschichte, damit bin ich ja aufgewachsen. Die habe ich an meine Tochter weitergegeben. Für meine Mutter ist es so, sie hat es selbst erlebt. Ja, bis zu dem Zeitpunkt, als sie dann als Kind nach Holland gekommen ist, wo sie eigentlich keine wirklichen Erinnerungen mehr hat, aber dennoch gibt es eben auch diese Secondhandgeschichte. Und diese Secondhandgeschichte ist etwas, was wir immer mit uns tragen. Und manchmal natürlich auch gar nicht unbedingt unterscheiden können. Ist es jetzt etwas, was ich wirklich selbst erlebt habe? Oder ist es etwas, was Teil unserer Familiengeschichte, Teil dieser narrativen Geschichte ist, oder ist es Teil auch der kollektiven Geschichte? Und vielleicht ist es auch gar nicht so furchtbar wichtig, da zu unterscheiden. Denn im Prinzip ist es so auch all das, was am 7. Oktober passiert ist, obwohl es Menschen passiert ist, die ich nicht persönlich kenne, habe ich das Gefühl, dass es Menschen passiert ist, die auch meine Schwester, mein Bruder, meine Tante, also Teil meiner eigenen Familiengeschichte sein können. Es ist also eine ganz tiefe Verbundenheit da und es ist auch eine ganz tiefe Verbundenheit noch mal anders entstanden. Also jetzt auch innerhalb der jüdischen Community.
Es ist so auch so eine Situation, wo wir uns eigentlich bewegen, oder ich persönlich mich bewege. Zwischen Resilienz und Rückzug. Also das ist so ein permanentes Spiel eigentlich was, was, was mich auch umgibt. Jetzt bin ich aber auch zum Teil eine öffentliche Person, wenn man so möchte. Das heißt, ich gehe mit meiner Arbeit nach außen und kann mich da gar nicht unbedingt zurückziehen, auch wenn ich das vielleicht möchte. Der 7. Oktober ist dann irgendwann vorbeigegangen. Der 7. Oktober war dann vorbei. Dann kam aber der 8. Oktober und auf den folgte der neunte und der zehnte und dann folgte auch der ja, dann folgte der 25. November 2023. Das ist für mich auch noch mal ein wichtiges Datum. Das ist in jedem Jahr der Tag der internationale Tag gegen. Der 25. November ist für mich ein wichtiges Datum gewesen, also sechs Wochen nach dem 7. Oktober 2023. Das ist der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Und ich habe dann schon am Tag davor und direkt am 25. November jede einzelne eingehende Pressemitteilung, die ich über meine Zeitschrift „Aviva Berlin“ erhalten habe, von Frauenrechtsorganisationen durchgeforstet, wirklich mit der Lupe nach einem Wort der Anteilnahme, der Solidarität und der Empathie gegenüber den sexualisierten Gewaltverbrechen gegen die Frauen, die Kinder und wie wir auch wissen, mittlerweile auch gegen Männer, die am 7. Oktober geschehen sind. Vor aller Augen. Weil wir es wissen, weil die Verbrechen gefilmt wurden, und zwar von den Tätern gefilmt wurden, oft auch mit den Handys der Opfer ins Netz gestellt wurden. Und ich habe in diesen Pressemitteilungen von großen Frauenrechtsorganisationen kein einzelnes Wort gefunden. Das hat mich wirklich sehr schwer erschüttert. Ich habe dann das Gespräch gesucht, in dem ich kurz geantwortet habe, gefragt habe: „Ich habe da noch eine Frage. Würden Sie mich bitte kurz kontaktieren?“ Und die haben mich dann auch alle zurückgerufen. Und ich glaube, was mich am meisten erschüttert hat, war die Aussage einer der größten internationalen Frauenrechtsorganisationen, auf meine Frage, warum sie die Verbrechen des 7. Oktobers nicht thematisiert haben, bei dem Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen. Ja, da bekam ich dann zu hören: „Wir haben keine Expertise. Es gibt keine Beweise und wir haben dort keine Partnerorganisationen vor Ort.“ Dann habe ich gefragt, warum sie auf den Internetseiten auf den jeweiligen Internetseiten zu Spenden aufrufen würden für die Menschen in Gaza, aber nicht für die traumatisierten Opfer von Vergewaltigungen, von Verbrechen sexualisierter Gewalt in Israel. Und das war etwas, was mich ebenso erschüttert hat. Da hieß es dann: „Ja, die haben da genug Geld, die haben da genug eigenes Geld.“ Und das hat mich für mich reproduziert. Natürlich eben dieses Bild des reichen Juden. Also in Israel haben die genug Geld, da müssen wir auch nicht zu Spenden aufrufen. Und das alles hat mich natürlich furchtbar mitgenommen. Ich habe dann versucht, Contenance zu bewahren und professionell zu bleiben. Aber ich glaube, dass ich auch jedes Recht habe, emotional zu werden. Und ich bin es auch geworden. Ja. Also ich entschuldige mich dafür nicht und sehe das wirklich als sehr legitim an, da tatsächlich auch mal eine andere Sichtweise reinzubringen und vielleicht auch auf diese Art und Weise etwas zu bewirken. Das war mir natürlich auch nicht klar in dem Moment, aber es war dann eben so, dass einige Wochen später zumindest auf den Internetseiten einer der Organisationen doch mal wenigstens ein Statement zum 7. Oktober 2023 abgesetzt wurde. Und das finde ich einfach wichtig. Aber trotzdem macht es einen schon sprachlos, wenn man sieht, dass Frauenrechtsorganisationen, die es doch zum Ziel haben, gegen Verbrechen gegen Frauen aufmerksam zu machen und dagegen arbeiten und ich im übrigen auch diese Institutionen, mit der „Aviva Berlin“ seit Jahren durch Berichterstattung unterstützt habe, dass da kein einziges Wort kommt, gar kein Bewusstsein dafür eigentlich vorhanden ist, dass ja, mir fehlen da fast schon die Worte, dass es da zu diesen Verbrechen gekommen ist und man doch diesen Opfern der sexualisierten Gewalt doch medial auch zur Seite stehen sollte. Und diese absolute Entsolidarisierung ist für mich seit diesem Moment auch eine Bankrotterklärung des Feminismus gewesen. Natürlich gab es schon immer auch Feministinnen, die sich unter dem Deckmantel des Antizionismus, antisemitisch geäußert haben. Das ist nichts Neues und es hat auch in der Geschichte der Frauen-Lesbenbewegung der 1970-er, 1980-er Jahre auch antisemitische Strömungen und Haltungen gegeben. Ausgrenzungen von Jüdinnen wie zum Beispiel der Gruppe des lesbisch- jüdischen Schabbeskreises bei der ersten Berliner Lesbenwoche.
Das ist etwas, was wir auch aus der Geschichte kennen. Wir kennen auch eine Art und Weise von Glorifizierung von toten Jüdinnen und Juden, von denen, die in der Shoah ermordet wurden, wo auch sehr viele Verlage im Übrigen auch sehr viel Geld damit machen, indem sie deren Werke immer wieder auflegen. In der X-ten Publikation, in der X-ten Auflage erscheinen lassen und dass dazu Lesungen gibt und Veranstaltungen gibt zu unterschiedlichen Autorinnen, Schriftstellerinnen dieser Zeit, dieser Epoche, auch der neuen Frau. Aber wenn es darum geht, die Jüdinnen von heute mit in den Fokus zu nehmen, da sehe ich erstens wenig Bestreben in dieser Richtung und auch überhaupt gar kein Bewusstsein überhaupt dafür.
Wir leben nicht ghettoisiert. Ich muss jeden Tag nach außen gehen. Alle jüdischen Menschen, die ich kenne, müssen jeden Tag nach außen gehen. Die, die ihre Kinder zum Beispiel in einen nichtjüdischen Kindergarten geben, die Kinder, die in nichtjüdische Schulen gehen. Wie viele sind denn eigentlich darunter, die diesen großen Teil, also, die ihre jüdische Identität verbergen, verstecken müssen. Natürlich kennen wir es schon seit Jahren, „Du Jude“ auf Schulhöfen. Aber das hat doch jetzt eine Dimension aufgemacht, mit der wir es bis jetzt, nach 1945 in Deutschland so in dieser Art und Form und Ausmaß noch nicht zu tun hatten. Und was bedeutet es denn eigentlich für jüdische Kinder oder auch junge jüdische Menschen, jüdische Studierende, diesen großen Teil der Identität verstecken zu müssen, verstecken zu müssen, nicht nur den Magen David verstecken zu müssen, sondern eben einfach nicht darüber reden zu können. Was ich gestern von meiner Familie in Israel oder von anderen jüdischen Menschen erfahren habe. Was bedeutet das eigentlich? Wer macht sich darüber Gedanken? Gibt es eigentlich nichtjüdische Lehrkräfte, die sich dazu weiterbilden wollen? Ist es, natürlich ich mache auch die eine oder andere Moderation zu unterschiedlichen Tagungen, Fachtagungen zu dem Thema. Das ist auch super, super wichtig, aber es passiert nicht flächendeckend. Das sind so kleine, punktuelle Bestrebungen, da etwas zu ändern, Informationen bereitzustellen. Aber das ist keine konzertierte Aktion. Im Lehrplan ist es vorgeschrieben, die Vielfalt jüdischen Lebens sichtbar zu machen. Wir sprechen jetzt hier gerade von einer positiven Vielfalt. Ich erlebe es aber gerade in einer Zeit zu leben, die von Trauma geprägt ist. Ja, also da kann ich nicht unbedingt nach außen gehen und sagen „Oh, wie toll unsere jüdische Vielfalt, unser blühendes jüdisches Leben“, wie das immer so gerne dargestellt wird, vor allen Dingen von Politikern und Politikerinnen, die sich dann immer darüber freuen, dass wir wie so eine Pflanze jetzt plötzlich irgendwo aus dem Dickicht wieder auftauchen in irgendeinem Dschungel. Eine seltene Pflanze, also diese Exotisierung zum Beispiel ist auch noch mal etwas, was, was ich unbedingt kritisieren muss. Und das ist jetzt eben nicht nur eben nach dem 7. Oktober. Das ist eine Realität, in der wir schon vor dem 7. Oktober gelebt haben. Und klar ist auch, dass, wie schon in den 1920-er und 30-er Jahren vor allen Dingen, jüdische Eltern ihre Kinder aus den öffentlichen staatlichen Schulen herausnehmen und auf jüdische Schulen bringen. Das heißt, wenn wir uns jetzt mal überlegen, wo wir vielleicht in einer Generation später sein werden, wo unsere Kinder und deren Kinder eine Generation später sein werden, wird es da eben eine homogene Gruppe geben, eine heterogene, eine homogene? Wie werden denn Juden und Jüdinnen in Deutschland, in Europa. Muss man ja auch sogar sagen leben. Werden wir uns wieder abschotten oder werden wir alle wieder auswandern? Und wohin? Wohin auswandern? Israel ist ein Land, was täglich von Raketen und Attentaten bedroht ist. Es ist so unglaublich schwierig, in dieser Situation zu sein, dass es mir gerade in diesem Moment auch gut tut, mal einfach so vollkommen ungefiltert darüber zu sprechen und ich hoffe einfach, dass dann auch Menschen sich das anhören werden oder zuschauen werden, die dann sagen: „Ich habe das so überhaupt noch nicht wahrgenommen, aber ich nehme das jetzt mal mit rein in meinen Unterricht oder auch einfach in mein ganz normales Leben, in dem ich vielleicht auch einfach mal eine jüdische Person, die ich kenne, vielleicht auch nur entfernt kenne, frage:“ Wie geht es dir? Wie geht es Ihnen?“ Ja, aber dann auch die Bereitschaft zu haben, auch mal zuzuhören. Denn genau das ist ja eben auch nach dem 7. Oktober nicht passiert. X-Leute haben nicht gefragt „Wie geht es dir? Wie geht es Ihnen? Kann ich irgendwas für Sie tun? Haben Sie Familie in Israel? Ich weiß doch, dass Sie Familie in Israel haben. Wie geht es denn Ihrer Familie?“ Das alles blieb aus. Das heißt, dieses Warten eigentlich auch darauf. Irgendwann wurde es dann zu einem verzweifelten und resignierten Warten. Zu einem enttäuschten Warten. Das hat uns seitdem begleitet. Und das ist etwas, was wir heute in unseren Alltag natürlich auch hineintragen. Heute erwarte ich es nicht mehr, dass mich die Nachbarin, die auf jede Demo gegen Rechtsextremismus geht, aber noch nie auf irgendeine Demo gegen Antisemitismus begleitet hat, mich nicht mal gefragt hat: „Wann ist denn die nächste Demo gegen Antisemitismus? Wann ist denn die nächste Kundgebung für die Menschen vom 7. Oktober für die Freilassung der Opfer?“ Ich warte nicht mehr darauf. Natürlich, warum sollte ich?
Ja, also das ist wiederum auch diese Resilienz. Es gibt jetzt gerade jetzt gerade, es gibt schon eine ganze Weile viele, viele jüdische Menschen, die eben sich auch zusammenschließen und für eine Sichtbarkeit einstehen und Forderungen stellen, wie zum Beispiel „die Jüdische Studierendenunion“, die ja schon vor dem 7. Oktober auch dafür eingestanden sind, jüdische Feiertage mit aufzunehmen in die, christlichen Feiertage bzw diese Feiertage dann eben unterrichtsfrei zu gestalten, sodass jüdische Studierende, die Observant sind, an diesen Feiertagen keine Klausuren schreiben müssen. Und das finde ich zum Beispiel auch ein wichtiges Thema im Hinblick auf Sichtbarkeit. Ich würde mir mal wünschen, dass zu jüdischen Feiertagen wir dann auch mal ein „Chanukka Sameach“ im Ersten oder Zweiten Deutschen Fernsehen hören. Also da gibt es viele Felder, die einfach ganz unglaublich wichtig sind, die jetzt nicht nur unbedingt was mit dem 7. Oktober zu tun haben, aber dieser 7. Oktober und dieses Empfinden und das, was danach auch hier in Deutschland geschehen ist bzw. nicht geschehen ist, das hat auch dazu geführt, dass einfach viele Themen, die wir, die die jüdische Community sowieso schon immer umgetrieben haben, die wir kritisiert haben, wo wir aber auch nicht gehört haben, die wurden auch wieder noch mehr für uns an die Oberfläche gespült und wir haben jedes Recht, jedes Recht darauf aufmerksam zu machen und ich nehme mir dieses Recht auch, auch wenn es anstrengend ist, auch wenn es sich wirklich zu einer Art und Weise von ja nicht endend währender Arbeit auswächst, weil meine Arbeit und mein Leben hat sich nach dem 7. Oktober grundlegend tatsächlich geändert. Das Leben hat sich einfach radikal verändert. Es gibt da verschiedene Aspekte. Ich möchte jetzt mal auf diesen einen eingehen. Das ist eben die Wahrnehmung, auch im öffentlichen Raum. Also das, was ich an Hauswänden lese, das, was ich erlebe, auf Kundgebungen, auf antiisraelischen Kundgebungen, das ist etwas, was mich sehr, sehr schmerzt, wenn ich sehe, wer dort mitläuft auf diesen Demonstrationen, aber eben nicht sich auch gleichzeitig für die Menschen einsetzt oder an die Seite stellt von Menschen, die betroffen sind vom 7. Oktober. Also ich zum Beispiel. Das ist etwas, was ich mit Fassungslosigkeit auch nur betrachten kann. Dieser, dieser Hass auf den Straßen, das ist etwas, was sehr, sehr belastet. Natürlich eben auch das Arbeiten, das Schreiben über den 7. Oktober, das Sprechen über den 7. Oktober. Der Austausch über den 7. Oktober. Also das ist eigentlich ein doch immerwährendes großes Thema, wenn jüdische Menschen sich untereinander treffen. Wir sind innerhalb von zwei Minuten wahrscheinlich nicht mal bei dem, was am 7. Oktober passiert ist. Wie jetzt gerade die Situation auch ist in Israel und das ist früher, vor dem 7. Oktober so gewesen. Vielleicht so ein bisschen ja, um das jetzt vielleicht mit ein bisschen Humor noch mal reinzubringen. Eigentlich in jedem jüdischen Kontext gab es auch ziemlich schnell dann egal wie, egal wo. Aber eben auch das Thema dazu. Wie hat deine Familie überlebt? Das Sprechen über Auschwitz. Heute ist das Sprechen über Auschwitz abgelöst vom Sprechen über den 7. Oktober. Das ist, glaube ich, etwas, was sich da für mich persönlich auch noch mal gezeigt hat. Natürlich die die doppelte Vorsicht natürlich auch noch mal auf der Straße, ja, möglichst kein Hebräisch zu sprechen. Wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin in Berlin oder auch in Deutschland möglichst keinen Feed sichtbar vor mir zu haben mit jüdischen Kontexten, um einfach da ja eine Art und Weise von Sicherheit für mich selber kreieren zu können. Mit dem Wissen, aber auch darüber, dass es eine Sicherheit natürlich nicht geben kann. Und dieses Gefühl von in diesen Raum zu fallen von es gibt keine Sicherheit mehr. Es gibt im Ernstfall vielleicht auch niemand, der mich sogar schützt. An dieser Stelle oder schützt oder beschützt sowohl vor verbalen als auch vor physischen Attacken. Das ist etwas so eine ständige Alertstellung.
Auch noch mal zum Thema, es ist sehr anstrengend, einfach gerade. Antisemitische Realitäten, jüdische Realitäten, Realitäten von Jüdinnen und Juden. Dazu gehört jetzt zum Beispiel mit Blick auf meine Mutter, dass sie mich nicht zweisprachig erzogen hat, dass sie mich hat mit Deutsch aufwachsen lassen, weil sie, die fließend Hebräisch spricht, der Ansicht war, in den frühen 1960 er Jahren sei das eben einfach nicht angebracht und nicht sicher genug Hebräisch im öffentlichen Raum zu sprechen. Und sie hat im Prinzip an das an mich weitergegeben. Ihr Gefühl von ausgegrenzt sein, von einer antisemitischen Realität eines Kindes in den 1930 er Jahren, das zwar damals nicht Hebräisch gesprochen hat, Hebräisch hat sie sehr viel später erst in Israel gelernt, aber sie wollte mich eigentlich davor schützen, dass ich ausgegrenzt werde. Und ich bin, ich will jetzt nicht sagen, den umgekehrten Weg gegangen. Aber ich bin ganz bewusst auch in diese Situation hineingegangen, indem ich gesagt habe: „Ich möchte aber, dass meine Tochter in Berlin eine jüdische Grundschule besuchen kann und die Möglichkeit hat, dort Hebräisch zu lernen und mit einem Selbstverständnis aufzuwachsen, jüdisch zu sein, was für mich eigentlich an keiner Stelle in meiner Jugend und Kindheit in Deutschland nicht möglich war. Bei mir war es so in meiner schulischen Laufbahn, also meine Kindheit Jugend, war ich das einzige jüdische Kind auf der gesamten Schule und wurde zum Beispiel immer herangezogen, wenn es jetzt um die Themen Judentum überhaupt geht, um die Themen Israel geht. Und da kann man sicherlich kann man sich vorstellen, wie das für ein Kind ist. Ich war ja keine Historikerin als acht-, neun-, zehn-, elf- oder zwölfjährige, sondern war eben damit auch konfrontiert, ein Wissen vorweisen zu müssen, was ich nicht unbedingt hatte. Und das andere Thema, was da auch noch sehr hineinspielt, ist eben einfach das, und ich denke, das ist tatsächlich auch bis heute so, dass wenn es um die Themen Judentum geht, im schulischen Kontext, dass es oft so ist, dass der Bereich von 1933 bis 1945 abgedeckt wird, aber eben nicht die Zeit davor und die Zeit danach.
Für mich ist eigentlich nach dem 7. Oktober 2023 gefühlt kaum Zeit vergangen. Es ist schon so, dass ich mich fast jeden Tag oder auch jede Minute eines jeden Tages an den Ablauf des 7. Oktober und auch mein Empfinden von damals sehr, sehr gut erinnere und das eigentlich auch in ganz unterschiedlichen Situationen ungeplant und ungesteuert hochkommt. Ich kann irgendwo sitzen und irgendetwas machen und irgendetwas denken, was überhaupt nichts möglicherweise mit dem 7. Oktober zu tun hat und mit der Situation heute, Februar 2025, wo jetzt wieder Geiseln freigelassen wurden in einem erbärmlichen Zustand und ich jetzt gerade aktuell diese Bilder auch im Kopf habe. Es ist eigentlich eine Zeit, die sich durch nichts trennen lässt. Es gibt keine ja unterschiedlichen Jahreszeiten eigentlich in diesem, in dieser Zeitspanne nach dem 7. Oktober 2023. Natürlich gibt es unterschiedliche Jahreszeiten, aber irgendwie nehme ich sie nicht so wirklich wahr. Also, es ist eine gleiche Situation und ich bin mir auch nicht so sicher, wann sich dieses Gefühl für mich auflösen wird. Da habe ich keine Antwort darauf. Ich weiß nur, ich möchte, dass dieser Zustand zu Ende geht. Ich möchte, dass wir anfangen können mit der Rückkehr der letzten lebenden und auch ermordeten Menschen anfangen können, auf etwas aufzubauen, was zerstört wurde. Es wurde. Es wurden Menschen. Es wurden Felder. Es wurden ganze Communities in Israel zerstört. Das ist etwas, was mich wirklich persönlich betrifft, auch wenn ich nicht persönlich selber vor Ort war. Und es wurde hier für mich sehr viel Vertrauen zerstört und ich bin mir nicht so sicher, ob sich das so wieder aufbauen lässt. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich diejenige sein soll, die da jetzt den ersten Schritt geht in Richtung queer-feministisch- nichtjüdische Communitys. Ich ich möchte das eigentlich nicht unbedingt von aus meinem eigenen Impuls tun, weil ich glaube nicht, dass es mein Job ist, das zu machen. Ich glaube eher, dass es sehr viel mehr bedarf, das alles wieder aufzubauen. Und es hat schon etwas mit mir als Person zu tun, weil das ist meine Arbeit, meine Arbeit ist mein Leben und mein Leben ist meine Arbeit. Das, was ich aufgebaut habe für mich. Das, was ich auch vermitteln möchte in Bild und Text und Ton. Und deswegen ist es das, was mich persönlich an der Substanz trifft. Das, was zerstört wurde. Dieses zerstörte, dieses zerstörte Vertrauen. Auch so eine gewisse Art und Weise von Naivität. Klar gibt es Antisemitismus an jeder Straßenecke. Antisemitismus war ja nie weg vor dem 7. Oktober 2023. Aber diese unverhohlene Art und Weise, die mir jetzt wirklich überall begegnet, die mir irgendwo überall ins Gesicht lacht und überall ins Gesicht gesagt wird, wo ich wirklich, wirklich jede Minute im Prinzip auf der Hut sein muss und mich wappnen muss. Das ist etwas, was ich so auch gar nicht aktiv selber unbedingt verändern kann. Ich kann mich einfach nur schützen an der Stelle und sagen, ich mache da eine gewisse Grenze auf, um bestimmte Dinge nicht an mich ran zu lassen. Oder die in meinen geschützten Raum, in unser Zuhause, mit meiner Frau reinzunehmen, mit unserer Familie, um dann darüber und mit Freundinnen und Freunden natürlich darüber sprechen zu können. Innerhalb der jüdischen Community, auch mit Menschen, die ich kenne. Alles andere wird mir zu viel. Alles andere schaffe ich nicht. Das ist etwas, was ich nicht leisten kann und auch nicht leisten möchte. Und deswegen ist es eine Art und Weise, wie ich jetzt daran gehe, mit einem Blick, der auf der einen Seite resigniert ist, wenn man so möchte und mit der anderen Seite, aber auch wirklich mit der Erkenntnis, dass es einen Rückhalt gibt und auch eine gewisse Art von Resilienz. Wir sind keine Opfer. Ich habe es auch an vielen, vielen Beispielen auch gesehen bei den Menschen vom 7. Oktober viele Beispiele. Da gab es jemand, deren Namen ich jetzt nicht weiß. Die hat, bevor sie erschossen wurde, ihren Mördern die Zunge rausgestreckt, zum Beispiel. Es gab andere, die haben X Molotow-Cocktails aus dem Bunker herausgeworfen, um andere zu schützen. Das ist etwas, was wir auch aus der Geschichte des jüdischen Widerstands natürlich kennen. Und das ist mir extrem wichtig, auch genau darauf immer wieder hinzuweisen und das auch für mich, mir immer wieder klarzumachen, dass wir die Möglichkeit haben, auch diesen Widerstand zu leben, ganz aktiv. Das ist mir sehr, sehr, sehr wichtig.