Das Projekt KOLOT – קולות – STIMMEN wurde 2024 als dokumentarisches und künstlerisches Vorhaben gegründet. Seither sammelt es Stimmen und entwickelt daraus narrative Videointerviews, die die Folgen der Massaker thematisieren und die Wirkung von Gewalt in jüdischen Biografien nachzeichnen. Die im Rahmen von KOLOT produzierten Videos sind zeitgeschichtliche Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023.

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About

Der 7. Oktober 2023 markiert eine tiefe Bruchstelle für die jüdische Gemeinschaft.

2024 gründete Marina Chernivsky das Projekt KOLOT, mit dem Ziel, ein zeitgeschichtliches Archiv zu entwickeln. In narrativen Videointerviews reflektiert das Projekt die Folgen des terroristischen Angriffs und beleuchtet die Gleichzeitigkeit und Nachwirkungen von Gewalt in jüdischen Biografien.

Das mit dem ELNET Award 2025 ausgezeichnete Projekt KOLOT zählt zu den ersten in Deutschland und Europa, die sich in dokumentarischer und künstlerischer Form mit dem 7. Oktober 2023 und seinen Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft auseinandersetzen.

Die im Rahmen des Projekts entstandenen Videos bilden ein Mosaik persönlicher Erzählungen – individuelle Stimmen, die zugleich kollektive Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 abbilden.

KOLOT ist aus dem Anspruch der Zeugenschaft heraus entstanden und aus dem Bewusstsein einer Verantwortung: jüdische Stimmen hör- und sichtbar zu machen und sie zu bewahren. Indem den Erfahrungen sprachlich und medial Ausdruck verliehen wird, entsteht ein Akt der Selbstermächtigung.

Eröffnet wurde das Projekt im Oktober 2024 mit einer Auftaktveranstaltung im Jüdischen Museum Berlin. Im August 2025 werden die ersten Interviews erstmals in voller Länge veröffentlicht. Im November 2025 verlieh ELNET den Preis in der Kategorie Kultur an KOLOT.

Die Videointerviews von KOLOT gehen in die Sammlung des Jüdischen Museums Berlin ein. Das Projekt knüpft damit an die Tradition der oral history an, um jüdisches Erinnern als Zeugenschaft und als aktive Praxis festzuhalten.

Geplant sind 20 Videointerviews. Die Fortsetzung des Projekts ist angestrebt.

Das Projekt wird von OFEK e.V. getragen und durch die Förderung des Bundesministeriums des Innern ermöglicht.

Erica (Juli 2024)

Sharon R (Juli 2024)

Ruthe (Juli 2024)

Hanna (Okt 2024)

Laura (März 2025)

Liliana (Januar 2025)

Sharon A (Februar 2025)

Wenzel (Juni 2025)

Trailer: KOLOT – קולות – STIMMEN

Materialien

Mehr Informationen folgen demnächst.

OFEK

Der Trägerverein von KOLOT, OFEK e.V., ist die erste Fachberatungsstelle in Deutschland, die auf Antisemitismus und Communitybasierte Betroffenenberatung bei Gewalt und Diskriminierung spezialisiert ist. OFEK arbeitet bundesweit und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: 1.) fallbezogene Betroffenenberatung, 2.) Stärkung und Empowerment der Community, 3.) antisemitismuskritische Beratung für Institutionen, 4.) Advocacy und fachpolitische Interessensvertretung.

OFEK ist erreichbar über die bundesweite Hotline und verfügt über Beratungsstandorte in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (im Aufbau). OFEK berät vertraulich und kostenfrei zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Die Beratung von Betroffenen orientiert sich an den fachspezifischen Qualitätsstandards professioneller Opfer- und Antidiskriminierungsberatung. OFEK leistet Beratung zu rechtlichen Möglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus, psychosoziale Betroffenenberatung bei Vorfällen und psychologische Beratung und Krisenintervention, fallbezogene Öffentlichkeitsarbeit und vermittelt bei Bedarf professionelle weiterführende Angebote. OFEK berät ungeachtet der strafrechtlichen Relevanz, stärkt die Ratsuchenden, richtet den Blick auf Handlungsmöglichkeiten und berücksichtigt in der Beratung familienbiografische Erfahrungen mit Antisemitismus und Diskriminierung. Fallbezogene Beratung ist stets parteiisch im Auftrag der Betroffenen und orientiert sich an ihren Wünschen und Bedürfnissen. Alle Angebote können auf Deutsch, Hebräisch, Russisch und Englisch in Anspruch genommen werden.

OFEK bietet darüber hinaus stärkende Gruppenberatung und passgenaue Empowerment-Formate an und leistet Awareness-Begleitung von Veranstaltungen. An Institutionen im Kultur- und Bildungsbereich, Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Träger:innen richten sich OFEK-Formate der institutionellen Fachberatung zu Schutzkonzepten, Notfallplänen und Interventionsmanagement sowie zahlreiche Weiter- und Fortbildungsformate.

Mehr zu OFEK:

ofek-beratung.de
kontakt[at]ofek-beratung.de

Presse

Presseanfragen: presse@ofek-beratung.de | +49 176 46 29 46 08

 

KOLOT in den Medien:

Es braucht nur Mut. Jüdische Allgemeine, 26.11.2025 (Link)

CPPD-Podcastfolge ERINNERUNGSFUTUR: Nicole Schweiß im Gespräch mit Marina Chernivsky. DialoguePerspectives Podcast, 04.09.2025 (Spotify | Apple Podcasts)

Über die Zäsur sprechen. Jungle World, 21.08.2025 (Link)

KOLOT – קולות – Jüd:innen in Deutschland die Stimme(n) zurückgeben. Radio Corax, 07.08.2025 (Link)

Das »Ofek«-Projekt »Kolot« dokumentiert Erfahrungen von Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach dem 7. Oktober 2023. Jüdische Allgemeine, 07.08.2025 (Link)

Psychologin: Seit 7. Oktober leben Juden in “paralleler Realität”. Katholische Nachrichtenagentur, 06.08.2025 (Link zum Artikel in der Evangelischen Zeitung)

Projekt „Kolot“: Jüdinnen und Juden erzählen von Erfahrungen nach dem 7. Oktober. Deutschlandfunk/Tag für Tag, 06.08.2025 (Link).

Videoprojekt sammelt deutsch-jüdische Stimmen zum Nahostkonflikt. WDR 3 Mosaik, 06.08.2025 (Link)

OFEK startet Portal mit jüdischen Stimmen zu den Folgen des 7. Oktober. Evangelischer Pressedienst, 04.08.2025 (Link zum Artikel in der Jüdischen Allgemeine)

Gesammelte Stimmen – Projekt „Kolot“ erfasst Zeugnisse zum 7. Oktober. Deutschlandfunk Kultur/Aus der jüdischen Welt, 28.02.2025 (Link)

 

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Vereinsregister: VR 37581 B
Steuernummer: 27 / 674 / 51693

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Tel: +(49) (0) 30 221 84 076
Email: kontakt[at]ofek-beratung.de

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10413 Berlin

Vertretungsberechtigte Personen im Vorstand/Geschäftsführung:

Marina Chernivsky, Vorstand und Geschäftsführung
Tel: (+49) (0)176 22508407
Email:  chernivsky[at]ofek-beratung.de

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Stand: 17. Juni 2025

 

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Was am 7. Oktober geschah – es gibt eigentlich keine Worte, um das zu beschreiben. Das ist… Ich weiß nicht, ob es ein Pogrom ist. Es ist einfach etwas Schreckliches. Ich habe eine Freundin, die aus dieser Gegend kommt. Sie arbeitet für die Botschaft und ihre Mutter ist zu 1.200 Beerdigungen gegangen. Das ist unvorstellbar! 1.200 Beerdigungen! Zu einer Beerdigung zu gehen ist schrecklich. Es tut weh, wenn jemand stirbt. Noch mehr schmerzt es, wenn jemand ermordet wird. Aber zu 1.200 Beerdigungen zu gehen, ist…

 

Was passiert ist, hätten wir nie für möglich gehalten. Ich habe meinen Großvater nicht kennengelernt, da er in Auschwitz ermordet wurde. Auch meinen Onkel und meine Tante habe ich nicht kennengelernt. Und die Shoah, das Schreckliche, was den Juden widerfahren ist, ist einmalig. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passiert. Aber was in Israel passiert ist, im Süden des Landes, der 7. Oktober, das ist etwas Unvorstellbares. So wie die Shoah unbegreifbar ist, ist auch das unbegreifbar. Verstandesmäßig wissen wir das zwar, aber das Herz kann eine solche Menge an Zerstörung nicht ertragen.

 

Meine Tochter war in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten und zu meiner Freude hat sie nicht all das, was mit dem 7. Oktober einherging, miterlebt. Sie war in einem kleinen Dorf in Arkansas. Dort gibt es keine Juden, dort gibt es keine Israelis, dort gibt es keine Araber. Das ganze Dorf war mehr oder weniger ‚Roseville‘ – für Israel – und sie hat nicht all das erlebt, was in Berlin passiert ist, alles, was nach dem 7. Oktober passiert ist. Den Hass auf Juden und Israelis in der ganzen Welt. Ein Beispiel dafür war etwa an einem Freitag, dem 13., ob es der 13. Oktober war? Ich glaube, es war der 13. Oktober, als Hamas angekündigte, dass sie auf der ganzen Welt Terroranschläge verüben werden. Und die Kinder in der Schule meiner Tochter überlegten, ob sie zur Schule gehen sollten oder nicht, weil sie die jüdische Schule hier in Berlin besucht, und ich habe den Eltern zu meinem Bedauern vorgeschlagen, dass es vielleicht besser wäre, wenn sie nicht gingen, um nicht das Risiko eingehen. Und das ist einfach unglaublich. Ich habe keine Angst zu sagen, dass ich Israelin oder Jüdin bin. Ich denke nicht so sehr in Kategorien. Für mich als Mensch ist es nicht so wichtig, welcher Religion jemand angehört oder woher er kommt. Die Menschen in meinem Umfeld werden an ihren Werten gemessen. Die Werte der Menschen sind mir wichtig. Meiner Meinung sollte man weder stolz darauf sein, woher man kommt oder welcher Religion man angehört, noch sich dafür schämen. Und ich habe keine Angst. Ich werde nicht weitermachen und ich werde auch nicht anfangen Angst zu bekommen. Oft wurde ich gefragt, ob ich Angst habe, dass ich jetzt Jüdin bin, oder ob ich Angst habe zu sagen, dass ich Jüdin oder Israelin bin. ‚Sprichst du immer noch Hebräisch mit deinen Freundinnen oder mit deiner Tochter?‘ Ja. Ich spreche Hebräisch. Ich bin Jüdin, ich habe keine Angst davor es zuzugeben. Vielleicht bin ich nicht… Ich habe noch nie einen Davidstern getragen, weil ich generell keine Symbole an mir trage, also gibt es keinen Grund, warum ich in Neukölln einen großen Davidstern tragen sollte, aber vielleicht werde ich doch etwas länger als ein Jahr vorsichtiger sein.

 

Am 7. Oktober las ich von einigen Menschen, die die Shoah gewissermaßen zweimal erlebt haben. Sie haben als Kinder die Shoah überlebt und leben heute im Kibbuz Be’eri und in den anderen betroffenen Kibbuzim. Als Kinder haben sie es geschafft, die Shoah zu überleben, aber ihre Familie verloren, ihre Eltern verloren, und nun haben sie den 7. Oktober überlebt, aber vielleicht ihre Kinder und Enkelkinder verloren. Ich verstehe nicht, wie man weiterleben kann, nachdem man zweimal solch einen Verlust erlebt hat, zweimal die Familie verloren hat. Einmal als Kind und einmal als Großvater. Das ist… Es tat mir im Herzen weh. Ich hatte das Gefühl, dass ich hinfahren und sie interviewen und fotografieren musste. Und ich habe darüber nachgedacht, dass es vielleicht besser ist, dass mein Vater nicht mehr lebt und das nicht miterleben musste und nicht sieht, was gerade in Israel passiert, wie unsere Regierung derzeit funktioniert. Er erlebt derzeit nicht, inwieweit – vielleicht wird zu wenig getan – um die Geiseln zu befreien. Mein Herz ist wirklich in vielerlei Hinsicht gebrochen. Das heißt, der Schmerz ist wegen des 7. Oktobers groß, aber er ist auch insgesamt groß, wegen der vielen Menschen im gesamten Nahen Osten. Es gibt so viele Menschen, die derzeit wegen der Regierungen leiden, weil die Menschen vielleicht zu alt sind, um zu regieren, und was sie antreibt, ist Macht und Geld. Oder auf allen Seiten – ich spreche nicht nur von Israel. Es geht um Israel und die anderen arabischen Länder und die anderen Länder der Welt.

 

Kurz nach dem 7. Oktober unterrichtete ich an der Universität. Ich unterrichte die Kunst der Fotografie und die Studenten fragten mich, was ich davon halte. In der Gruppe war auch jemand aus Syrien. Das heißt, es gab auch Schüler aus arabischen, aus allen möglichen Ländern, und sie fragten mich, was ich so darüber denke… Der Krieg hatte noch nicht wirklich begonnen, oder es waren die ersten Tage und ich versuchte ihnen zu zeigen, zu erklären, das große Gesamtbild aller Aspekte zu zeigen. Natürlich habe ich ihnen gesagt, dass ich persönlich gegen Kriege, den Verlust und das Töten von jedem Menschen bin. Ich versuchte ihnen zu erklären, was in Israel passierte und dass man nicht zulassen darf, dass es einen Nachbarn gibt, das heißt…, dass die Situation so ist… Ich habe versucht, ihnen zu erklären und ihnen zu verdeutlichen, dass die Situation nicht wie zwischen zwei Staaten, wie etwa Frankreich und Deutschland ist, die vor vielen, vielen Jahren Verträge unterzeichnet haben, und dass dies nicht der Fall ist. Und dass es an beiden Orten Extremisten gibt, die weder für Frieden sind noch den anderen anerkennen, sondern in ihm nur einen Feind sehen. Und gerade jetzt, nachdem was geschehen ist, waren es leider gerade diese Menschen – die verletzt und ermordet wurden – die größtenteils friedliebend waren und den Palästinensern geholfen haben. Es gibt zum Beispiel Leute aus Be‘eri oder Kfar Gaza, die mit dem Auto zur Grenze fuhren, um kranke Kinder abzuholen und sie ins Krankenhaus zu bringen. Das waren die ersten Menschen, die ermordet und entführt wurden. Es gibt eine Frau, die ich sogar kenne – sie ist eine Freundin einer guten Freundin von mir – sie war wirklich… Der Frieden war in ihrem Herzen und sie war eine der ersten, die ermordet wurden. Und das ist wirklich, wirklich… Ich erklärte ihnen, dass es mich sehr traurig macht, dass es derzeit Politiker auf der ganzen Welt gibt, die nicht den Weg des Friedens gehen und nicht alles, wirklich alles tun, um Ruhe, Sorglosigkeit und Frieden in der Region zu schaffen. Und dass das sehr traurig ist. Und dass es im Moment besser ist, wenn sie keine eindeutige Meinung in die eine oder andere Richtung äußern. Es ist nicht die Zeit für Slogans. Es ist die Zeit für Fragen. Jetzt ist ihre Zeit als Studenten Fragen zu stellen, zuzuhören und zu versuchen zu verstehen. Und nicht zu Demonstrationen zu gehen mit Sätzen wie ‚From the River to the Sea‘, denn sie verstehen eigentlich gar nicht, was das bedeutet. Wenn man ‚From the river to the sea, Palestine will be free‘ sagt, dann sagt man eigentlich, dass Israel nicht existieren sollte und dass alle Juden ihren Platz im Meer oder an einem anderen Ort haben sollten. Und wenn jemand anderes das in umgekehrter Weise sagt – ‚From the river to the sea, Israel should be free‘ – dann bedeutet das genau dasselbe für die Palästinenser. Und deshalb ist jetzt nicht die Zeit für Slogans. Es ist Zeit zu fragen, zuzuhören und zu versuchen, zu verstehen.

 

Ich arbeite gerade an einer Ausstellung, die meine Familiengeschichte erzählt. Eine sehr persönliche Ausstellung. Mein Vater musste Deutschland im Alter von zehn Jahren verlassen, um zu überleben. Nur er und sein Bruder wurden aus einer riesigen Familie gerettet, die über 500 Jahre in Frankfurt lebte. Im Jahr 1939 zog er als zehnjähriges Kind mit dem letzten Kindertransport nach Israel und kam fünfzig Jahre später seine Tochter in Berlin besuchen. Zum ersten Mal kehrte er in seine Heimat zurück. Und bei seinem ersten Besuch fand er tatsächlich heraus – er rief einen Verwandten an, schlug im Telefonbuch nach und stellte fest, dass es noch einen weiteren Zuntz gab, der derzeit in Hamburg lebte. Er rief ihn an – Peter Zuntz – und schlug ihm vor, sich zu treffen. Peter Zuntz erzählte uns, als er sich mit uns traf, dass er vor einigen Jahren in Auschwitz war und zum Gepäckraum ging und auf einem der Koffer der Name Karl Zuntz stand, der letztlich der Name meines Großvaters ist, und mein Vater brach in Tränen aus. Da wurde mir klar, dass er sein ganzes Leben lang nicht die die Hoffnung verloren hatte, dass er eines Tages seine Familie finden würde – vielleicht in Buenos Aires oder an einem anderen Ort. Und als er zum ersten Mal wieder deutschen Boden betritt, erfährt er, dass sein Vater ums Leben gekommen ist – ermordet in Auschwitz. Seitdem hat er mir sehr viel geschrieben. Ich bat ihn mir fortan seine Lebensgeschichte zu schreiben, und ich habe etwa über fünfhundert sechshundert Briefe mit seiner Lebensgeschichte, in denen er auf die ersten zehn Jahre seines Lebens in Deutschland zurückblickt. Auf all seine Erinnerungen, alle Orte, an denen er gewesen ist, und die Gründung des Staates Israel. Auf alle Kriege von 1948 bis… bis vor einigen Jahren, als er starb. Ich habe Briefe von einer Zeitspanne von über zwanzig Jahren, und in diesen Briefen hat er – ich habe sie jetzt wieder mit nach Frankfurt genommen, lese und beantworte sie mit der Kamera. In diesen Briefen gibt es viele, viele Schichten. Da ist die Schicht seiner persönlichen Geschichte und dann erzählt er auch meine Geschichte, was mit mir passiert, wenn er mit mir am Telefon spricht. Aber er schreibt auch viel über die Politik zwischen Israel und Palästina und über internationale Politik im Allgemeinen. In einem der Briefe – ich konnte es kaum glauben – ich öffnete ihn und darin stand: ‚Ach! Was für ein Glück, dass die Hamas so unprofessionell ist.‘ – sie haben eine Bombe gebaut, die ihnen im Auto explodiert ist – ‚Was für ein Glück, dass sie so unprofessionell sind.‘ Und da dachte ich, wenn er jetzt noch am Leben wäre und verstehen und sehen würde, was passiert ist, wäre er einfach entsetzt. Entsetzt darüber und auch entsetzt über die Haltung der Regierung gegenüber den Geiseln. Ja… Ich durchlaufe selbst gerade einen Prozess, in dem ich mich mit meiner Familie auseinandersetze und mir die schreckliche Geschichte der Shoah immer bewusster wird – warum habe ich das eigentlich nicht gewusst? Verstandesmäßig kannte ich die Geschichte der Shoah schon immer. Ich wusste, was mit meiner Familie passiert war. Aber jetzt bin ich mir dessen bewusst, wenn ich durch Frankfurt gehe, wenn ich auf den Spuren meines Vaters wandle. Ich bin mir dessen bewusst, spüre es in meinem Herzen. Ich spüre es, spüre wie der Mensch aus seinem Alltag herausgerissen wird. Und gerade während ich diesen Prozess durchmache, denke ich oft an die Menschen, die am 7. Oktober ermordet wurden und auch das Herz, das Herz bricht weiterhin. Das heißt, jeden Tag schaltet man die Nachrichten ein und es gibt Namen von Soldaten, von Soldatinnen (die umgekommen sind). Und auch auf palästinensischer Seite werden so viele Menschen getötet, wurden so viele Menschen am 7. Oktober ermordet und die Zerstörung geht einfach weiter. Ich sehe, was dieses Trauma ist, was das für ein transgenerationales Trauma ist, wie es sich in unserer Familie fortsetzt. Was für ein Erbe ich von meinem Vater bekommen habe, die Familiengeschichte. Und leider muss ich einsehen, dass der Mord, der geschehen ist und nun der Verlust von Menschenleben auf beiden Seiten einfach ein schreckliches Erbe ist, ein schreckliches Erbe, das einen zukünftigen Frieden immer weiter in die Ferne rücken lässt, und das ist traurig, das bricht mir das Herz. In einem der Briefe schrieb mir mein Vater über seinen Kindergarten, und über seinen guten Freund, dessen Haus ganz in der Nähe des Kindergartens lag und nachdem sie im Kindergarten oder in der Schule waren, welche auch in der Nähe war, gingen sie zum Haus des Freundes, um dort zu spielen. Und er erzählte in allen Briefen auch von der Synagoge in der mein Großvater Rabbiner war. Alle möglichen Punkte in seinem Leben. Als ich erstmal versuchte, das zu verstehen, las ich zuerst die Karte von Frankfurt, um zu verstehen, wo er war, wo all diese Punkte liegen, wo all diese Häuser stehen und ob sie überhaupt noch existieren, und die meisten existierten eigentlich gar nicht mehr. Der größte Teil Frankfurts wurde bombardiert. Und insbesondere die jüdische Geschichte wurde fast vollständig ausgelöscht. Von den Häusern ist nichts mehr zu sehen. Seine Schule wurde zerstört; aber existieren noch zwei Gebäude, und eines davon ist der Kindergarten, der jetzt eine Synagoge ist, und das andere das Haus seines guten Freundes, den ich als Kind kennenlernte, weil er auch mit ihm auf dem Schiff mit einem der letzten Kindertransporte gekommen ist. Und ich saß da und fand mich wieder, wie ich zu all diesen Punkten ging und schließlich war ich auch im Kindergarten, der jetzt eine Synagoge ist, und saß in einem Café gegenüber von dem noch existierenden Gebäude seines guten Freundes, in dem sie in der Wohnung im zweiten Stock als Kinder spielten. Plötzlich flossen mir Tränen über die Wangen und ich versuchte zu verstehen, was mit mir geschah. Warum? Warum weinte ich eigentlich so? Und ich verstand, dass ich kognitiv immer gewusst hatte, was passiert ist. Das heißt, die Geschichte der Shoah verstehe ich. Aber jetzt verinnerliche ich sie wirklich in meinem Herzen. Ich fühle und sehe es jetzt. Das heißt, ich konnte in meinem Herzen sehen, wie zwei Kinder aus ihrem alltäglichen Leben gerissen werden. Zehnjährige Kinder, die es gewohnt sind, morgens in den Kindergarten zu gehen und danach zu spielen, werden aus ihrem Leben gerissen, aus ihren Familien, von ihren Eltern, und kommen in ein fremdes Land. Das war die erste Erkenntnis, sodass der Schmerz wohl deshalb so unerträglich ist – und jetzt verstehe ich das wirklich bis ins Letzte. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich ein Vermächtnis habe, dass, solange mein Vater lebte und vielleicht traurig war, als wir in Frankfurt waren, ich ihm geholfen und ihn unterstützt habe, aber jetzt, wo er nicht mehr da ist, seine Geschichte ganz und gar meine Geschichte ist und sein Schmerz ganz und gar mein Schmerz ist, und das wahrscheinlich ein transgenerationales Trauma ist. Und gleichzeitig – zum Beispiel die Synagoge, in der mein Großvater Rabbiner war – die große Synagoge in Frankfurt – zerstörten die Nazis und forderten die Juden auf, ihnen Geld zu ihr zahlen und die Synagoge zu räumen. Und dann bauten sie darauf einen Bunker. Dieser Bunker dient heute als Ausstellungsort. Es ist ein Denkmal. Mahnmal. Und die Leute, die die Ausstellung organisieren und betreuen – es gibt ein Team, einen Verein – beschlossen, dass sie die die Namen aller Kibbuzim, wie Be‘eri, Nahal Oz und der weiteren Kibbuzim, in denen das Massaker stattfand, aufzuschreiben. Und ich dachte, dass das wirklich gut passt. Das heißt, als ich dort hinkam und die Namen sah, war das… Ich dachte: Was wird mit den Kindern passieren? Ich meine – was ich jetzt mit meiner Familie erlebe – was werden die Kinder fühlen, deren Eltern ermordet wurden, die Kinder, die vielleicht gesehen haben, wie

ihre Eltern vor ihren Augen ermordet wurden? Was für ein transgenerationales Trauma werden sie erleben? Und in diesem Moment auch die Kinder, die… die vielen Leben, die gerade auf der anderen Seite umkommen. Wie hoch ist die Zahl der so vielen Menschen, die sterben? Wie weit wird uns das vom Frieden entfernen? Wie viel… wie viel Schmerz, wie viel… wie viel Trauer? So viel… Ein Meer an Trauer. Das bricht mir einfach das Herz. In dem Jahr, in dem ich die persönliche Geschichte meiner Familie verarbeite, in einem solchen Jahr erneut endlose Trauer im Nahen Osten zu erleben, in dem Land, das ich so liebe, dem Land, das mein Vater mit seinen eigenen Händen aufgebaut hat. Er kam 1939 im Alter von zehn Jahren nach Israel, um zu sehen, was dort geschah und zu begreifen, dass das, was gerade passiert, nicht in die richtige Richtung geht. Es fühlt sich an, als würde ein Großteil seines Lebenswerks zerstört. Der Schmerz ist einfach unendlich. Das ist… Und was Deutschland betrifft, muss ich sagen, dass ich nach dem 7. Oktober eher das Gefühl hatte, dass gerade in Deutschland, im Vergleich zu anderen Ländern der Welt, anderen Ländern in Europa und auch auf anderen Kontinenten – ich das Gefühl hatte, dass dies einer der sichersten Orte für Juden und Israelis ist, da Deutschland einfach hinter Israel stand. Bei jeder Entscheidung. Ich kann mir vorstellen, dass viele Politiker nicht mit der Regierung Netanjahu einverstanden sind. Und trotzdem sind sie… Der derzeitige Kanzler, der Präsident… Obwohl sie mit der Regierung normalerweise, mit vielen Entscheidungen, nicht einverstanden sind, so standen sie einfach hinter Israel und unterstützten Israel und versuchten immer noch alle möglichen Gesetze zu erlassen zum Schutz der Israelis und der Juden im Land. Es gab sehr, sehr große Demonstrationen in Neukölln gegen den Krieg, gegen Israel, gegen die Juden, und alle möglichen ‚Boycott Jewish People‘, ‚Boycott Israeli‘. Ich bin gegen Boykott. Ich denke, dass Dinge nur durch Gespräche gelöst werden können. Ich bin einer Gruppe von Israelinnen und Araberinnen beigetreten – Juden, Araber, Muslime, Christen – die versuchen miteinander zu sprechen, um Lösungen zu finden, zu helfen und zu unterstützen.

 

Ich bin vor über 30 Jahren hierhergekommen. Ich hatte einen deutschen Freund, der aus einem Dorf in der Nähe von Hamburg kam, namens Winsen an der Luhe. Er hat heute Geburtstag. Sein Vater ist Pfarrer und mein Großvater war Rabbiner. Als ich mich in einen deutschen jungen Mann verliebte, fragte ich meinen Vater, ob es für ihn in Ordnung sei, dass ich mich in einen deutschen Mann verliebe, ob er damit leben kann. Nach dem Verlust meiner Familie durch Deutschland war das in Israel sehr unüblich, Liebesgeschichten zwischen Israelis und Deutschen. Und er sagte: ‚Du bist ein Teenager, morgen verliebst du dich in einen anderen Jungen, somit ist mir das völlig egal. Du kannst es gerne mal mit einem Deutschen versuchen.‘ Und am Ende wurde es eine sehr große Liebe und ich kam nach Deutschland. Und ich erinnere mich, dass, als ich vor 30 Jahren durch das Dorf ging, als wir seine Eltern besuchten, mich manchmal Leute anhielten – ich war eine 20–jährige Frau nach dem Militärdienst, war frisch nach Deutschland gekommen – und fingen an zu weinen und sagten mir, dass es ihnen so leidtäte – deutsche Leute – und ich wusste nicht so recht, wie ich damit umgehen sollte als junge Frau. Ich sagte ihnen, dass alles in Ordnung ist. Sie entschuldigten sich für das, was in der Shoah passiert ist. Ich bin als Israelin hierhergekommen. Ich habe mich nie als Jüdin gefühlt. Das ist Teil meines Seins. Ich wurde als Jüdin geboren, aber wenn man mich fragen würde: ‚Was bist du?‘ – Auch heute noch, wenn man mich fragt: ‚Was bist du?‘ – denke ich, dass ich im Herzen immer noch Israelin bin. Ich bin Israelin. Punkt. Eine Israelin, die in Berlin und in Europa lebt. Ich habe das Gefühl, dass ich eher in Europa lebe als in Deutschland, obwohl sich das jetzt mit meiner Arbeit im Museum über meine persönliche Geschichte etwas ändert. Als ich hierherkam, gab es fast keine Israelis, es gab ziemlich wenige Juden. Und im Laufe der Jahre kamen mehr und mehr Israelis und Berlin wurde zu einer Stadt – als ich hierherkam, gab es nur Deutsche und Türken und sehr wenige Menschen aus anderen Ländern – und mit der Zeit wurde Berlin zu einer internationalen Stadt. Wo die Religion und woher man kommt, nicht wirklich interessant sind. Es begann sich mehr, wie eine Stadt anzufühlen, die wie das New York Europas ist. Nach dem 7. Oktober haben sich die Dinge geändert. Es gibt einen echten Riss in der Stadt. Ich bin Künstlerin. Ich habe es nicht erlebt, dass mir Fotoshootings oder Aufträge abgesagt wurden, weil ich Israelin oder Jüdin bin. Ich persönlich habe das nicht erlebt. Ich habe eher die Absagen erlebt, denn nach dem 7. Oktober wurden alle Veranstaltungen, die stattfinden sollten, abgesagt. Alle Workshops, die zwischen Israelis und Deutschen stattfinden sollten, wurden natürlich alle abgesagt. Es war eine Art totaler Schock, also wurden viele meiner Aufträge abgesagt, aber mir wurde nie abgesagt, weil ich Israelin oder Jüdin bin. Aber gerade in der Kultur – die Kultur in Berlin war immer frei und frei von Religion, Glauben oder Rasse. So fühlte es sich an. Aber gerade hier begann es, dass alle möglichen kleinen Partys, um sich zu vergnügen, abgesagt wurden oder dass DJs abgesagt wurden, weil sie Israelis oder Juden sind; das ist hier oft passiert. Oder Künstlern wurden Ausstellungen abgesagt oder sie wurden nicht eingeladen, weil sie Israelis sind. Mir ist das nicht passiert. Aber… Ich bin schockiert darüber, was derzeit in der Stadt passiert. Über die Spaltung. Ich verstehe nicht so ganz, warum anstelle von… Die Kluft zwischen Israel, die schreckliche Situation, die derzeit besteht, der Krieg zwischen Israel und Palästina – warum muss das überhaupt aus der Region herausgetragen werden? Warum ist dieser Konflikt jetzt zu einem internationalen Konflikt geworden? Anstatt dass wir, die Länder, die Menschen, die in Europa oder auf anderen Kontinenten leben, an dem Ort, an dem wir uns befinden, einen sicheren Raum bewahren – so wie es auch in der Vergangenheit war. Es war der Ort, an dem Israelis und Palästinenser miteinander sprechen konnten. Es war nicht so interessant, woher man kam. Ich habe Freundinnen aus dem Libanon und aus arabischen Ländern, die hier leben. In meinem ganzen Gebäude gibt es DJs. Auf der ersten Etage wohnen DJs aus Frankreich, aus Griechenland, aus allen möglichen Ländern aus dem Nahen Osten, und wir leben ziemlich friedlich. Und plötzlich strahlt das, was dort passiert ist und was dort passiert, zum ersten Mal so stark aus. Es wird nach Europa übertragen und in die Vereinigten Staaten, und was gerade an den Universitäten passiert, ist einfach ein No–Go. Ich hätte einfach nie gedacht, dass es jemals möglich sein könnte, dass Studenten der Zutritt zur Universität verwehrt wird, weil sie Juden oder Israelis sind. Das ist… Als mein Vater mir erzählte, dass er manchmal in Frankfurt um sein Leben rennen musste, weil er Jude war, und die Deutschen ihn beschimpften, er sei ein ‚Schweinehund‘, ein ‚Schweinejude‘, und er um sein Leben rennen musste. Es ist einfach unvorstellbar, dass sich in diesem Jahrhundert, in diesem Jahr Juden oder Israelis wieder verstecken müssen. Sich aus Angst um ihr Leben in den Bibliotheken der Universität einschließen müssen. Das ist unfassbar, das ergibt keinen Sinn. Es fühlt sich an, als würden wir rückwärts gehen, anstatt vorwärts. Anstatt weiterzugehen in die richtige Richtung, in die wir gestartet sind. In Richtung Toleranz und in Richtung der Länder, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Frieden leben. Es scheint, als ob die Menschen vergessen haben, was ein Weltkrieg ist, und dass die Länder sich nur weiter bewaffnen und sich viele Länder in Richtung eines globalen Krieges bewegen. Und das ist beängstigend. Sehr beängstigend.

 

Ich werde oft gefragt, was ich denke, was mein Traum, meine Vision ist. Als der Angriff des 7. Oktobers begann – glücklicherweise habe ich nicht all die schrecklichen Videos gesehen, die die Hamas hochgeladen hat; das Massaker, das sie begangen und hochgeladen hat. Und nach dem 7. Oktober und dem Eintritt Israels in den Krieg gegen die Hamas gab es unzählige Bilder und Videos des Massakers und unzählige Fotos der Zerstörung in Gaza, aber es wurden fast keine Bilder oder Videos der Zusammenarbeit gezeigt. Und es gibt immer noch Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern. Es gibt immer noch Projekte, die auch heute noch stattfinden, und man scheut sich, sie ins Netz zu stellen. Das heißt, diese Kooperationen finden hinter den Kulissen statt. Und es gibt immer noch Israelis, die Palästinensern helfen und Palästinenser, die Palästinensern helfen. Ich habe einen Freund, der mit seiner Familie in Gaza lebt. Ich habe ihn im Rahmen eines Friedensprojekts kennengelernt, das ich gemacht habe. Und ich war erleichtert, als ich erfuhr, dass er es ihm gelungen war, mit seiner Familie nach Ägypten zu fliehen. Und ich hoffe, dass immer mehr Bilder und Projekte von Kooperationen zwischen Israelis und Palästinensern verbreitet werden. Dass die Menschen die Politik besiegen. Dass die Basis den Ton angibt. Und ich hoffe so sehr, dass die Extremisten von der Macht verdrängt werden, und dass die Menschen, die Brüderlichkeit und Frieden zwischen den Ländern unterstützen, diejenigen sind, die den Ton angeben und die Friedensabkommen unterzeichnen. Das ist meine Hoffnung. Und für alle Menschen, die den schrecklichen Schmerz, das Massaker, die Ermordung ihrer Familien erlebt haben… Es ist schwer, die Hand zum Frieden zu reichen, aber das ist unser einzig möglicher Weg. Und wenn die Israelis, die Juden und Deutschland es nach dem Massaker an sechs Millionen Menschen geschafft haben, ist das die einzige Hoffnung. Das ist… Ich wünsche mir Frieden.

Konzept und Interviews Marina Chernivsky, OFEK e.V.
Videoproduktion CrossGeneration Media, Berlin
Kooperation Jüdisches Museum Berlin
V.i.S.d.P. Marina Chernivsky, OFEK e.V.

KOLOT ist ein Projekt von Marina Chernivsky für OFEK e.V.
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