Das Projekt KOLOT – קולות – STIMMEN wurde 2024 als dokumentarisches und künstlerisches Vorhaben gegründet. Seither sammelt es Stimmen und entwickelt daraus narrative Videointerviews, die die Folgen der Massaker thematisieren und die Wirkung von Gewalt in jüdischen Biografien nachzeichnen. Die im Rahmen von KOLOT produzierten Videos sind zeitgeschichtliche Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023.
Für die Wiedergabe wird eine stabile Internetverbindung empfohlen.
Der 7. Oktober 2023 markiert eine tiefe Bruchstelle für die jüdische Gemeinschaft.
2024 gründete Marina Chernivsky das Projekt KOLOT, mit dem Ziel, ein zeitgeschichtliches Archiv zu entwickeln. In narrativen Videointerviews reflektiert das Projekt die Folgen des terroristischen Angriffs und beleuchtet die Gleichzeitigkeit und Nachwirkungen von Gewalt in jüdischen Biografien.
Das mit dem ELNET Award 2025 ausgezeichnete Projekt KOLOT zählt zu den ersten in Deutschland und Europa, die sich in dokumentarischer und künstlerischer Form mit dem 7. Oktober 2023 und seinen Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft auseinandersetzen.
Die im Rahmen des Projekts entstandenen Videos bilden ein Mosaik persönlicher Erzählungen – individuelle Stimmen, die zugleich kollektive Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 abbilden.
KOLOT ist aus dem Anspruch der Zeugenschaft heraus entstanden und aus dem Bewusstsein einer Verantwortung: jüdische Stimmen hör- und sichtbar zu machen und sie zu bewahren. Indem den Erfahrungen sprachlich und medial Ausdruck verliehen wird, entsteht ein Akt der Selbstermächtigung.
Eröffnet wurde das Projekt im Oktober 2024 mit einer Auftaktveranstaltung im Jüdischen Museum Berlin. Im August 2025 werden die ersten Interviews erstmals in voller Länge veröffentlicht. Im November 2025 verlieh ELNET den Preis in der Kategorie Kultur an KOLOT.
Die Videointerviews von KOLOT gehen in die Sammlung des Jüdischen Museums Berlin ein. Das Projekt knüpft damit an die Tradition der oral history an, um jüdisches Erinnern als Zeugenschaft und als aktive Praxis festzuhalten.
Geplant sind 20 Videointerviews. Die Fortsetzung des Projekts ist angestrebt.
Das Projekt wird von OFEK e.V. getragen und durch die Förderung des Bundesministeriums des Innern ermöglicht.

Mehr Informationen folgen demnächst.
Der Trägerverein von KOLOT, OFEK e.V., ist die erste Fachberatungsstelle in Deutschland, die auf Antisemitismus und Communitybasierte Betroffenenberatung bei Gewalt und Diskriminierung spezialisiert ist. OFEK arbeitet bundesweit und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: 1.) fallbezogene Betroffenenberatung, 2.) Stärkung und Empowerment der Community, 3.) antisemitismuskritische Beratung für Institutionen, 4.) Advocacy und fachpolitische Interessensvertretung.
OFEK ist erreichbar über die bundesweite Hotline und verfügt über Beratungsstandorte in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (im Aufbau). OFEK berät vertraulich und kostenfrei zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Die Beratung von Betroffenen orientiert sich an den fachspezifischen Qualitätsstandards professioneller Opfer- und Antidiskriminierungsberatung. OFEK leistet Beratung zu rechtlichen Möglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus, psychosoziale Betroffenenberatung bei Vorfällen und psychologische Beratung und Krisenintervention, fallbezogene Öffentlichkeitsarbeit und vermittelt bei Bedarf professionelle weiterführende Angebote. OFEK berät ungeachtet der strafrechtlichen Relevanz, stärkt die Ratsuchenden, richtet den Blick auf Handlungsmöglichkeiten und berücksichtigt in der Beratung familienbiografische Erfahrungen mit Antisemitismus und Diskriminierung. Fallbezogene Beratung ist stets parteiisch im Auftrag der Betroffenen und orientiert sich an ihren Wünschen und Bedürfnissen. Alle Angebote können auf Deutsch, Hebräisch, Russisch und Englisch in Anspruch genommen werden.
OFEK bietet darüber hinaus stärkende Gruppenberatung und passgenaue Empowerment-Formate an und leistet Awareness-Begleitung von Veranstaltungen. An Institutionen im Kultur- und Bildungsbereich, Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Träger:innen richten sich OFEK-Formate der institutionellen Fachberatung zu Schutzkonzepten, Notfallplänen und Interventionsmanagement sowie zahlreiche Weiter- und Fortbildungsformate.
Presseanfragen: presse@ofek-beratung.de | +49 176 46 29 46 08
Es braucht nur Mut. Jüdische Allgemeine, 26.11.2025 (Link)
CPPD-Podcastfolge ERINNERUNGSFUTUR: Nicole Schweiß im Gespräch mit Marina Chernivsky. DialoguePerspectives Podcast, 04.09.2025 (Spotify | Apple Podcasts)
Über die Zäsur sprechen. Jungle World, 21.08.2025 (Link)
KOLOT – קולות – Jüd:innen in Deutschland die Stimme(n) zurückgeben. Radio Corax, 07.08.2025 (Link)
Das »Ofek«-Projekt »Kolot« dokumentiert Erfahrungen von Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach dem 7. Oktober 2023. Jüdische Allgemeine, 07.08.2025 (Link)
Psychologin: Seit 7. Oktober leben Juden in “paralleler Realität”. Katholische Nachrichtenagentur, 06.08.2025 (Link zum Artikel in der Evangelischen Zeitung)
Projekt „Kolot“: Jüdinnen und Juden erzählen von Erfahrungen nach dem 7. Oktober. Deutschlandfunk/Tag für Tag, 06.08.2025 (Link).
Videoprojekt sammelt deutsch-jüdische Stimmen zum Nahostkonflikt. WDR 3 Mosaik, 06.08.2025 (Link)
OFEK startet Portal mit jüdischen Stimmen zu den Folgen des 7. Oktober. Evangelischer Pressedienst, 04.08.2025 (Link zum Artikel in der Jüdischen Allgemeine)
Gesammelte Stimmen – Projekt „Kolot“ erfasst Zeugnisse zum 7. Oktober. Deutschlandfunk Kultur/Aus der jüdischen Welt, 28.02.2025 (Link)
Angaben gemäß §5 TMG
OFEK e.V. Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung
Registergericht: Amtsgericht Charlottenburg
Vereinsregister: VR 37581 B
Steuernummer: 27 / 674 / 51693
Veranwortliche im Sinne des Presserechts: Marina Chernivsky
Kontakt:
Tel: +(49) (0) 30 221 84 076
Email: kontakt[at]ofek-beratung.de
Postfach 58 03 16
10413 Berlin
Vertretungsberechtigte Personen im Vorstand/Geschäftsführung:
Marina Chernivsky, Vorstand und Geschäftsführung
Tel: (+49) (0)176 22508407
Email: chernivsky[at]ofek-beratung.de
Postfach 58 03 16
10413 Berlin
Haftung für Inhalte
Als Diensteanbieter sind wir gemäß § 7 Abs.1 TMG für eigene Inhalte auf diesen Seiten nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich. Nach §§ 8 bis 10 TMG sind wir als Diensteanbieter jedoch nicht verpflichtet, übermittelte oder gespeicherte fremde Informationen zu überwachen oder nach Umständen zu forschen, die auf eine rechtswidrige Tätigkeit hinweisen.
Verpflichtungen zur Entfernung oder Sperrung der Nutzung von Informationen nach den allgemeinen Gesetzen bleiben hiervon unberührt. Eine diesbezügliche Haftung ist jedoch erst ab dem Zeitpunkt der Kenntnis einer konkreten Rechtsverletzung möglich. Bei Bekanntwerden von entsprechenden Rechtsverletzungen werden wir diese Inhalte umgehend entfernen.
Haftung für Links
Unser Angebot enthält Links zu externen Websites Dritter, auf deren Inhalte wir keinen Einfluss haben. Deshalb können wir für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für die Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seiten verantwortlich. Die verlinkten Seiten wurden zum Zeitpunkt der Verlinkung auf mögliche Rechtsverstöße überprüft. Rechtswidrige Inhalte waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar.
Eine permanente inhaltliche Kontrolle der verlinkten Seiten ist jedoch ohne konkrete Anhaltspunkte einer Rechtsverletzung nicht zumutbar. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Links umgehend entfernen.
Urheberrecht
Die durch die Seitenbetreiber erstellten Inhalte und Werke auf diesen Seiten unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechtes bedürfen der schriftlichen Zustimmung des jeweiligen Autors bzw. Erstellers. Downloads und Kopien dieser Seite sind nur für den privaten, nicht kommerziellen Gebrauch gestattet.
Soweit die Inhalte auf dieser Seite nicht vom Betreiber erstellt wurden, werden die Urheberrechte Dritter beachtet. Insbesondere werden Inhalte Dritter als solche gekennzeichnet. Sollten Sie trotzdem auf eine Urheberrechtsverletzung aufmerksam werden, bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Bei Bekanntwerden von Rechtsverletzungen werden wir derartige Inhalte umgehend entfernen.
Stand: 17. Juni 2025
Verantwortlicher
OFEK e.V. Beratungstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung
Registergericht: Amtsgericht Charlottenburg
Vereinsregister: VR 37581 B
Umsatzsteuer-Indentifikationsnummer: 27 / 674 / 51693
Postfach 58 03 16
10413 Berlin
Vertretungsberechtigte Personen: Geschäftsführung: Marina Chernivsky
E-Mail-Adresse: kontakt[at]ofek-beratung.de
Telefon: (+49) (0)30 221 84 076
Kontakt Datenschutzbeauftragter
datenschutz@ofek-beratung.de
Datenverarbeitung auf dieser Internetseite
Diese Internetseite verwendet teilweise so genannte Cookies. Cookies richten auf Ihrem Rechner keinen Schaden an und enthalten keine Viren. Cookies dienen dazu, unser Angebot nutzerfreundlicher, effektiver und sicherer zu machen. Cookies sind kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner abgelegt werden und die Ihr Browser speichert.
Die meisten der von uns verwendeten Cookies sind so genannte “Session-Cookies”. Sie werden nach Ende Ihres Besuchs automatisch gelöscht. Andere Cookies bleiben auf Ihrem Endgerät gespeichert bis Sie diese löschen. Diese Cookies ermöglichen es uns, Ihren Browser beim nächsten Besuch wiederzuerkennen.
Mithilfe des Cookie-Banners können Sie sich zu Beginn Ihres Besuchs und jederzeit über die von uns und unseren Dienstleistern eingesetzten Cookies informieren und einstellen welche Cookies verwendet werden dürfen bzw. Ihre Einwilligung zum Einsatz von Cookies erteilen, soweit dies rechtlich erforderlich ist.
Außerdem können Sie Ihren Browser so einstellen, dass Sie über das Setzen von Cookies informiert werden und Cookies nur im Einzelfall erlauben, die Annahme von Cookies für bestimmte Fälle oder generell ausschließen sowie das automatische Löschen der Cookies beim Schließen des Browsers aktivieren. Bei der Deaktivierung von Cookies kann die Funktionalität dieser Internetseite eingeschränkt sein.
Cookies, die zur Durchführung des elektronischen Kommunikationsvorgangs erforderlich sind, werden auf Grundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO auf Grund des berechtigten Interesses des Anbieters gespeichert. Der Anbieter hat ein berechtigtes Interesse an der Speicherung von Cookies zur technisch fehlerfreien und optimierten Bereitstellung seiner Dienste. Soweit andere Cookies (z.B. Cookies zur Analyse Ihres Surfverhaltens) gespeichert werden, werden diese in dieser Datenschutzerklärung gesondert behandelt.
Datenverarbeitung im Rahmen von Presseanfragen und allgemeinen Anfragen
Zur Beantwortung von Presseanfragen an presse[at]ofek-beratung.de und allgemeinen Anfragen an kontakt[at]ofek-beratung.de verarbeiten wir folgende personenbezogenen Daten um Kontakt mit Ihnen herstellen und Ihre Fragen beantworten zu können:
Wir verarbeiten diese Daten auf der Rechtsgrundlage von Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO da es in unserem berechtigten Interesse liegt Öffentlichkeitsarbeit im direkten Kontakt mit entsprechend interessierten Stellen zu betreiben.
Der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten in diesem Rahmen können Sie jederzeit widersprechen. Dafür stehen Ihnen die oben angegebenen Kontakte zur Verfügung.
Die Daten werden gelöscht sobald Ihre Anfragen umfassend beantwortet worden sind.
Weitere Hinweise zu Verarbeitungsprozessen, Verfahren und Diensten:
Rechte der betroffenen Personen
Rechte der betroffenen Personen aus der DSGVO: Ihnen stehen als Betroffene nach der DSGVO verschiedene Rechte zu, die sich insbesondere aus Art. 15 bis 21 DSGVO ergeben:
Änderung und Aktualisierung
Wir bitten Sie, sich regelmäßig über den Inhalt unserer Datenschutzerklärung zu informieren. Wir passen die Datenschutzerklärung an, sobald die Änderungen der von uns durchgeführten Datenverarbeitungen dies erforderlich machen. Wir informieren Sie, sobald durch die Änderungen eine Mitwirkungshandlung Ihrerseits (z. B. Einwilligung) oder eine sonstige individuelle Benachrichtigung erforderlich wird.
Sofern wir in dieser Datenschutzerklärung Adressen und Kontaktinformationen von Unternehmen und Organisationen angeben, bitten wir zu beachten, dass die Adressen sich über die Zeit ändern können und bitten die Angaben vor Kontaktaufnahme zu prüfen.
Am 7. Oktober war ich in Buenos Aires und ja, erstmal glaube ich so ein Schock und einem ja nicht verstehen, was eigentlich da vor sich losgeht. Ich habe noch versucht, ich habe auch Familie in Süd-Israel und auch woanders. Meine Cousinen haben wir versucht einfach mal die zu erreichen ja und ich habe einfach mal meine Erinnerung ist einfach mal in großem Chaos und Zittern und gleichzeitig die Idee: „Das kann doch nicht wahr sein. Irgendwas muss in den Nachrichten nicht stimmen.“ Ja, und ich glaube auch Schwierigkeiten zu glauben, dass es wirklich stattgefunden hat. Ich kann bis heute nicht verstehen, was da mit der Armee passiert ist, warum niemand dort war. Warum die Presse vor der Armee dort war. Ich glaube, wir werden noch viele Jahre brauchen, und wahrscheinlich auch Forschungen, um zu verstehen, warum alle Soldat*innen im Norden waren. Also einfach mal ein Gefühl, dass sowas nicht in Israel passieren kann. So was kann uns nicht passieren. Und interessanterweise an anderen Tagen des 7. Oktober. Es ist mir noch mal, ich hatte es total vergessen, ein Lied von dem Jom Kippur Krieg, was mein Vater uns vorgesungen hat. Ich verspreche dir, mein kleines Mädchen, das wird der letzte Krieg sein.
Ich glaube auch eine Überschichtung von Erfahrungen. Weil ich war ja auch in Buenos Aires 92 und 94, als die Attentate waren. Da hat es mal in der israelischen Botschaft und danach in der jüdischen Gemeinde. Sowohl mein Vater wie auch mein Bruder, haben damals in der jüdischen Gemeinde gearbeitet. Mein Vater war sehr, sehr lange der Gründer und der Verleger von Mundo Israelita. Die jüdische Gemeinde in Argentinien hatte einen eigenen Verlag. Dass mein Vater mit ein paar anderen Leuten gegründet haben und an einem Tag, es war ein Montag, weiß ich noch, es war ein ganz ähnliches Gespür, viele Anrufe, niemand versteht, um was es geht, alle fragen: „Wo ist dein Vater? Wo ist dein Bruder?“ Jetzt waren es andere, meine Cousine die Familie. Genau. Aber ja. Einfach mal so total viel, Ja, Chaos und Angst. Entsetzen. Ja, alles zusammen. Ja. Und auch so weit weg. Weil ich glaube, die andere Male, sowohl im Jom Kippur Krieg. Wie gesagt, ich war dort, Ich war im Norden. Wir waren einige Zeit auch in einem Bunker. Ähm, dann eben die die ganze Diktatur auch ganz anderes, aber ganz ähnlich auch diese Gefühle der Verletzlichkeit und, dass das alles passieren konnte und dann die zwei Attentate vor allem, wie gesagt der größte 94, weil eben auch mein Bruder, mein Vater dort gearbeitet haben in dem gleichen Gebäude von der AMIA (Asociación Mutual Israelita Argentina) und ganz zufällig an dem Tag nicht da gewesen sind. Ich wusste nicht mal, denn mein Bruder hatte an dem Tag ein Treffen, was irgendwie einen Tag danach abgesagt wurde, weil jemand krank war. Sonst wäre auch dort gewesen. Ich habe auch von dort; im Krieg war ich auch klein und ich habe ja diese Bilder von dem Bunker aber vom 94 ich war kurz danach ein paar Tage danach dort und war ich auch in den Trümmern und da habe auch versucht irgendwie zu helfen, und das war glaube ich, auch ein ähnliches Gefühl. Niemand weiß, wer noch am Leben ist, wer noch gesucht wird, was ist mit den Leuten passiert, die Listen, ja, die Angehörigen, wenn ein bisschen klarer wird, wer sich um die Angehörige kümmert. Und ja, wie gesagt, ich glaube, dieses ganz, ganz tiefe Gefühl der Verletzlichkeit und das, dass man das alles eigentlich nicht verstehen kann, auch den Grund nicht. Ich bin danach das 7. Oktober. Ich bin eine Woche danach nach Deutschland zurückgekommen, weil ja das Semester angefangen hat, hier. Ich bin im und ich wusste nicht, wie ich das, ich bin eigentlich Professorin für jüdische Geschichte und jüdisches Denken, wie ich das eigentlich so einbringen kann. Was mache ich eigentlich damit? Mit meinen Kursen, mit meinen Vorlesungen. Und ich hatte, glaube ich, das Glück, dass wir damals und noch jetzt eine ganz gute Leitung vom Institut haben. Es ist eine Kollegin, die sehr sensibel ist, und wir hatten ein, wir haben im Oktober einen ersten Tag, an dem wir die Studierende ja das Studium vorstellen, uns selbst vorstellen usw. und. sie hat mich total überrascht. Ich habe es nicht erwartet, aber sie hat damit angefangen. Sie hatte mir gesagt: Ja, gut, dass es nicht einfach mal so ein ganz normales Anfang, sondern das ist irgendwie passiert in Israel und sie will damit anfangen. Und das war, das war unglaublich wichtig für mich. Das war wichtig und wir müssen uns immer dort vorstellen für die Studierenden, auch mit unseren Lehrbereiche. Und ich weiß noch, ich wusste nicht, ob ich sprechen konnte, was ich sagen konnte. Alle anderen haben sich vorgestellt mit anderen Themen und so, das war. Und dann habe ich gesagt, ich weiß noch den Satz, Ich stand da, ich konnte erst mal nicht reden. Und dann habe ich gesagt: „Ich stehe vor ihnen mit gebrochenen Herzen.“ und so und trotzdem ja, „das ist, was ich hier mache. Ich mache jüdische Geschichte, ich mache jüdisches Denken. Vielleicht können wir ja uns ein paar Fragen stellen, vielleicht Antworten finden. Vielleicht.“ Genau. Und das war gut, glaube ich. Danach weiß ich, dass, Es war ja auch eine große Frage für mich. Eine große Vorlesung hat irgendwie immer so 150 Menschen. Darf ich das einfach mal so machen? Brauche ich Schutz? Kann ich einfach mal so reden, wie immer? Also wie geht das normale Leben weiter? Ich meine, davon abgesehen, was alles, was in mir, also auch mit meiner Familie und mit meiner Gefühle passiert ist. Aber wie, wie ist die Öffentlichkeit? Wie ist die Arbeit? Wie geht das weiter mit diesen Themen in Berlin? Und dann habe ich mich entschieden, die erste Sitzung von allen Kursen, die ich hatte und die Vorlesung auch, dem Thema zu widmen und zu fragen, was die Studis wussten von Israel, von der Geschichte Israel, von der Gründung und von dem, was passierte und das war, das war ein Schock, weil die meisten wussten gar nicht, überhaupt nichts. Aber es war gut. Es war gut. Also die wussten, dass irgendwas da passiert ist, aber sie wussten nicht von der Geschichte Israels. Sie wussten ja, also. Und es war eigentlich auch kein Thema. Es war, glaube ich, an der Universität kein Thema, außer diese Kollegin, die das irgendwie angesprochen hat. Und dann bin ich damit auch eingestiegen in den Kursen und ich glaube, das war gut für mich. Und danach irgendwie einen Anfang zu finden nach der Katastrophe. Ich glaube, es war eine Katastrophe. Eine Katastrophe, die sich in mehrere Schichten, zu den anderen Katastrophen. Und ich habe immer meine Studierenden. Mir ist es auch wichtig, immer die die jiddische Tradition irgendwie auf Leben zu erhalten. Ich lehre immer meine Studierenden, die über den Namen von der Shoah und wie sie dann auf Jiddisch in der erste jiddischen (jüdischen?) Quellen genannt worden ist. Und das ist mit dem Hurban, eigentlich die Zerstörung von Tempel in Jerusalem, oder also wie diese Schichten auch immer wieder sozusagen mit ähnlichen Namen auch aufgenommen werden. Und dann, dann war aber ganz plötzlich das Gefühl, wenn ich das erzähle, das ist noch mal eine Schicht, wo wir eigentlich Zeitzeugen sind, wir sind drinnen. Es ist nicht, dass ich erzähle, wie zum Beispiel ja auch die, dem Überlebende sich selbst zu sein. Auch der Name von She’erit Ha-Pletah, also der Rest, der überlebte eben aus dem Buch Esra gegeben haben, das heißt, wie wir immer wieder versuchen, diese ja diese Sachen einzuschreiben in der Geschichte, sondern wir waren drinnen in dieser Geschichte, und wir versuchten, und es war irgendwie, schwierig für mich dann noch mal einen Begriff, einen Namen dafür zu finden und das einzuordnen in der Katastrophe und gleichzeitig eine Antwort zu geben. Wobei, ich wusste nicht, welche die Antwort sein könnte, und ich weiß es immer noch nicht. Ich habe das einfach mal versucht zu eröffnen, zusammen zu denken. Genau. Und dann die die Frage auch: Wie soll ich darüber reden? In der Humboldt Universität, in Berlin? Ich meine, ich habe innerhalb einer Woche sozusagen von Buenos Aires, wo die jüdische Geschichte natürlich ganz anders ist, nach Berlin gekommen und dann in diese Universität, wo alles schon so viel passiert ist. Ich lehre auch über die deutsch jüdische Geschichte hier und dann. Gut, es ist nicht hier passiert. Aber da gibt es auch so viele Schichten von Geschichte, wie hier darüber zu sprechen. Die meisten von meinen Studierenden sind natürlich nicht jüdisch; wie kann man das thematisieren? Ich muss ja auch sagen, ich bin die einzige jüdische Professorin an der Humboldt Universität. Wenigstens die. Also von den Leuten. Also ich glaube, es gibt mehrere Kollegen, aber die sind nicht so, die sind ein bisschen undercover oder nicht so bekannt. Da hat mir die, die die Präsidentin gefragt, ob ich mich trauen würde. Sie hat sich auch entschuldigt, dass sie mich das irgendwie so fragt, als Jüdin. Aber ob ich mich vorstellen könnte, Antisemitismusbeauftragte zu werden. Damals hatte ich mit dieser ganzen Diskussion angefangen – vor allem, um als Vertrauensperson für die Studierenden zu fungieren. Denn sie hatten gehört, dass viele Studierende nicht mehr kommen an die Uni und sie wussten nicht, wie sie sie erreichen könnten. Und das hat mich auch erinnert an eine Erzählung von meinem Eltern, von meinem Vater, bevor meine Eltern nachher schon wieder Hashomer Hatzair gingen. Als ich 14, 15 war, waren sie eine sozialistische Partei in Argentinien. Das war Ende der 50er Jahre, Anfang der 60er. Und dann war die Entführung von Eichmann in Argentinien gewesen. Nach der Entführung kam eine ganz, ganz starke Welle von Antisemitismus in Argentinien. Ich habe jüdische Studierende umgebracht. Markiert gut, Synagogen angebrannt usw. In diesem Kontext sind meine Eltern, die waren sehr jung, so ihre Zelle gegangen und haben die Verantwortlichen gefragt, ob die Sozialistische Partei, wenn sie als Juden attackiert werden, sie verteidigen würden. Da hat der Verantwortliche gesagt, er wusste es nicht. Die Frage war sehr schwierig. Er muss nach oben fragen. Dann, eine Woche später, hat er oben gefragt und hat gesagt: Ja, also der Leiter sagen es tut uns leid, aber das ist keiner von unsere wichtige Widersprüche oder Fronten im Moment. Das heißt nein, wir wollen gar nicht machen.
Ja. Und als Konsequenz meine Eltern Sozialisten waren, haben gesagt okay, die Revolution ist nicht in Argentinien, sondern wir machen einfach mal Sozialismus in Israel und sind gegangen. Zum Glück auch, weil diejenige, die nicht so schnell gegangen sind, sind auch ermordet worden in der Diktatur. Das heißt, Israel hat uns auch das Leben gerettet sozusagen. Auch dieser Wechsel. Aber es waren so viele Jahre später noch mal in den gleichen Punkt zu sagen mit den Leuten, die man dachte, man hat bestimmte gemeinsame Werte und Solidarität und Feminismus und ja, und Progressismus, ich weiß nicht, wie das alles irgendwie heißen. Von dort kam gar nichts. Also eben die Gegennarrative. Und interessanterweise Solidarität von von Leuten, die man nicht erwartet hätte. Aber auch und damit glaube ich, spreche ich an, was ganz schwierig ist von Menschen, die man gar nicht haben will, ja. Denn wir haben natürlich irgendwie…die Zeit verging, also kurz danach waren die Wahlen in Argentinien im Dezember ist leider Javier Milei auf den Markt gekommen. Er hat seine Kampagne sozusagen basierend auf einem bestimmten Philosemitismus von einer extreme Rechte, die besonders gefährlich ist. Ich glaube ehrlich gesagt, er mag nicht die Juden, sondern er mag das Bild, das er von Juden hat und dieses ist völlig antisemitisch. Er will auch irgendwie die Welt regieren, Geld haben und klüger als die anderen sein. Das ist sein Bild von Judentum. Und er macht seine ganze Reformen im Namen von Judentum und trägt eine Kippa, aber der hat irgendwie auch von diesem 7. Oktober und den Geiseln und sein eigenes Thema gemacht. Diese Solidarität brauche und will ich nicht haben, denn gleichzeitig sterben von Hunger Kinder und alte Menschen in meinem Land durch seine Politik. Und ja, das ist das Schlimmste, was uns passieren könnte. Wo können eigentlich Juden und Jüdinnen denn gut leben? Wo fühlt man sich dann eigentlich sicher? Wenn das alles vorbei ist. Wo ja, das weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wie es sein wird. Nach dem 7. Oktober nach der ganze Welle von Demonstrationen und Protesten und Besetzungen, die wir an den Universitäten hatten. Und ja, bei uns. Gut, wir waren alle Zeitungen an der Humboldt Universität. Ich glaube für mich und für meine Studierenden echt traumatisierend, weil da ein Level von Gewalt ausgeübt wurde, dass ich, glaube ich, kaum in meinem Leben so erlebt habe. Vor allem eben von Studierenden und von Studierenden. Also nicht irgendwie von Polizei oder so. Ich bin eigentlich kein ängstlicher Mensch, aber für mich, da gibt es noch mal auf die Schichten, das war wirklich die für mich war voll wie ein Pogrom. Ich dachte mir auch in den Erzählungen von meinen Großeltern, was ein Pogrom war in der Ukraine damals gewesen. Das war eine schreckliche Gewalt, das war die Masse. Sie waren vermummt, man wusste nicht, mit wem man es zu tun hat. Die haben immer so, ich glaube, dass es ein Teil auch der Strategie, immer wieder das Gleiche wiederholt, wie ein Mantra, also Intifada und was weiß ich. Das macht einfach mal verrückt, weil das ist immer wieder das Gleiche. Ich habe versucht meine Studis, wir standen natürlich ständig in Kontakt, Einige waren auch dabei, um zu gucken, habe ich gesagt: „Wir sind bei einer Techno Disco. Das ist immer das Gleiche“ und versucht das ein bisschen so mit Humor herunterzuspielen. Weil, ich hatte auch Angst, das auch wegen der Studierenden, vor allem diejenigen, die schon traumatisiert waren. Also vor allem diejenigen, die eben so Freunde und Familien hatten, denen schon in der 7. Oktober irgendwas passierte. Oder es gibt natürlich auch Studierende, die die Familienangehörige haben, oder oder Bekannte, die durch die Intifada auch irgendwie umgebracht worden sind, was diese ganze Symbolik auch dort macht. Da haben sie angefangen von Tränen, die sie in den sozialen Medien, von Judensau bis auf Arabisch den Namen von der Kommentator von Hamas, wie es ja, keine Ahnung, diese rote Dreiecken so zu zeigen sozusagen, was da eigentlich drinnen alles passiert. Ähm, ja. Und ich denke, das war nur ein Beispiel. Aber wir sehen gerade eine Art und Form der Gewalt, die wir noch nicht kannten. Ja, hier bin ich, so dass ich diese Universität, und ich weiß nicht wie in der 60er Jahre sind, weil die Proteste waren und so, aber dass ich noch nie erlebt habe. Ich bin auch schon sehr lange in den deutschen Universitäten unterwegs. Ich war schon sechs Universitäten in Deutschland und das war schon auch sehr traumatisierend für uns alle. Und ehrlich gesagt, auch ich fand es eine unmögliche Sache. Am Anfang dachte ich okay, man kann versuchen, mit denen zu reden und habe so ein paar Stunden nachvollziehen können, was das Präsidium machen wollte. Und vor allem und das ist, und das war ja auch ein Schock. Danach habe ich irgendwie, ich dachte gut, ich war da, als ich irgendwie weg war, und ich war der Tag danach drinnen mit der Polizei am Institut. Es war alles zerstört. Alles. Alles. Die Möbel, die Türen. Ähm. Es war so Graffitis, die ich nie gedacht habe, die irgendwie eine deutsche Universität einfach gemacht werden konnten. Das war schrecklich.
Aber es waren auch, wie gesagt, ein paar Büros, nicht alle, ausgewählte Büros mit dieser roten Dreiecken markiert worden. Aber auch genau diese, diese Verletzlichkeit und diese Sache, Wo ist der Moment? Ich habe das auch an die sehr, sehr lange auch mit dem Präsidium diskutiert, wo die rote Linie ist, wo wirklich mal, Ja ein Schluss gemacht werden soll. Wo? Wer verteidigt uns? Ja, es kam auch ein Prozess, dass er unter der Hand politisch, wo immer mehr den 7. Oktober aus der Narrative verschwunden ist. Ja, also wir haben natürlich auch eine Stickerkrieg an der Universität. Wir haben irgendwie die ganze Graffitis. Die Graffitis haben auch eine ganzen Prozess gemacht. Am Anfang war „Free Palestine“, die letzte drei, vier Monate schreiben die Leute schon „Kill the Jews“ sozusagen. Das ist so eine Übergabe und ähm, ja, und nachdem die Besetzung war und nachdem ich immer wieder sah, dass die Narrative verloren gegangen ist, dachte ich mir, ich muss irgendwie das Jahr von den 7. Oktober markieren. Ja, ich muss hier ganz klar an die Universität noch mal daran erinnern, was da eigentlich passiert ist und wo der Anfang dem Konflikt ist. Und dann von den 7. Oktober 2024 war noch nicht Semester. Ich dachte okay, dann mache ich das am 7. November genau und habe mir gesagt, 13 Monate danach, ich mache mit dem Wort kann ich nicht weiterkommen, weil wir gar nicht mehr mit dem anderen sprechen können. Weil es immer geschrien wird, nicht zugehört wird, weil jüdische Stimmen keine dann dann brauchen wir Kunst. Genau. Und dann habe ich mir gedacht, ich mache was mit Kunst und erstmal von beiden Seiten, ist einfach der Opfer von beiden Seiten.
Aber ich möchte, dass 7. Oktober als Anfang da markieren und erstmal habe ich gedacht, ich kann ich einen Kurs oder eine Künstlerin in Auftrag geben. Und dann war ich ein bisschen deprimiert, weil ich wusste, dass wenn wir irgendwas machen, wo zum Beispiel die Geisel sind oder so, nach fünf Minuten ist das vandalisiert, kaputt, ja, mit Graffitis, auch wenn die andere Seite dabei wäre. Aber das war so eine Herausforderung. Da hatte ich eine sehr gute Idee, glaube ich. Ich dachte, ich bin. Wir sind klüger als die. Ich mache was mit Musik. Musik können Sie uns nicht kaputt machen. Und genau. Und dann habe ich in Auftrag gegeben bzw. mit einem Freund von mir, der Musiker ist, in Argentinien, eine Klanginstallation durchgedacht. Ich hatte da eine Unterstützung, auch vom Präsidium, um das wirklich im Foyer der Humboldt Universität zu machen. Das war schon so ganz, ganz zentral platziert. Und wir haben am 7. November, also 13 Monate danach, diese Installation, das heißt „Mourning“, gemacht, die sehr, sehr stark ist.
Wir haben auch gedacht oder ich habe gedacht, wir müssen mit einem El male rachamim, also das Gebet für die Opfer von Pogromen. Es gibt eine Version von 7. Oktober. Ich wollte unbedingt damit anfangen. Und dann aber auch einen Teil der palästinensischen Opfer auch haben. Das wir auch in der Stimme von Mahmud Darwisch, der nationale palästinensische Dichter mit aufgenommen haben. Und ich glaube, das war gut. Und das war so eine Eröffnung, eine Trauerräume für beide Seiten, wo die zusammen sein, ja trauern konnten. Und wir haben es an dem Tag neun Mal gespielt. Das dauert nur fünf Minuten und wir wurden nicht gestört. Zum Glück. Und das war. Das war gut. Also, einige meine jüdische, meine israelische Studentin, einige haben auch ihre Eltern mitgebracht oder ihre Geschwister. Und es war ein bisschen wie ein Minjan. Es war so, es ist quadrofonisch, das heißt, es gibt viele Lautsprecher und wir waren drinnen. Und ich glaube, das war ein kleines bisschen, ich weiß nicht, ob es heilen, aber es hat irgendwie gutgetan. Ich frage mich auch, wie wir, die Narrative in 20, 30 Jahre, vielleicht weil ich auch Geschichte machen oder schreibe, sein wird, wie? Wie werden die Menschen darüber reden? Werden wir es schaffen?
Wie ich versucht habe, mir diese kleine Klanginstallation, werden wir es schaffen 7. Oktober noch Tränen zu haben In der Narrative, werden wir noch symbolische Gräber, wo die Menschen halten können? Wird das irgendwie verstanden in der Geschichte? Wird daraus was Neues entstehen und wenn ja, was? Werden wieder, werden wir frei sein können? Eine Sache, die mich sehr beschäftigt, ist, dass viele von den Studierenden, die ich betreue, immer wieder sagen, dass sie sich verstecken müssen, dass sie ihr Judentum überhaupt nicht mehr zeigen. Sie erzählen auch niemanden. Das kenne ich von meiner Kindheit in der Diktatur, Wussten die meisten nicht, dass ich jüdisch war, das war zu gefährlich. Kommen wir noch mal dahin? Also oder können, wir frei mit unserer Identität auch leben. Also das beschäftigt mich auch.