Das Projekt KOLOT – קולות – STIMMEN wurde 2024 als dokumentarisches und künstlerisches Vorhaben gegründet. Seither sammelt es Stimmen und entwickelt daraus narrative Videointerviews, die die Folgen der Massaker thematisieren und die Wirkung von Gewalt in jüdischen Biografien nachzeichnen. Die im Rahmen von KOLOT produzierten Videos sind zeitgeschichtliche Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023.
Für die Wiedergabe wird eine stabile Internetverbindung empfohlen.
Der 7. Oktober 2023 markiert eine tiefe Bruchstelle für die jüdische Gemeinschaft.
2024 gründete Marina Chernivsky das Projekt KOLOT, mit dem Ziel, ein zeitgeschichtliches Archiv zu entwickeln. In narrativen Videointerviews reflektiert das Projekt die Folgen des terroristischen Angriffs und beleuchtet die Gleichzeitigkeit und Nachwirkungen von Gewalt in jüdischen Biografien.
Das mit dem ELNET Award 2025 ausgezeichnete Projekt KOLOT zählt zu den ersten in Deutschland und Europa, die sich in dokumentarischer und künstlerischer Form mit dem 7. Oktober 2023 und seinen Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft auseinandersetzen.
Die im Rahmen des Projekts entstandenen Videos bilden ein Mosaik persönlicher Erzählungen – individuelle Stimmen, die zugleich kollektive Zeugnisse jüdischen Lebens in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023 abbilden.
KOLOT ist aus dem Anspruch der Zeugenschaft heraus entstanden und aus dem Bewusstsein einer Verantwortung: jüdische Stimmen hör- und sichtbar zu machen und sie zu bewahren. Indem den Erfahrungen sprachlich und medial Ausdruck verliehen wird, entsteht ein Akt der Selbstermächtigung.
Eröffnet wurde das Projekt im Oktober 2024 mit einer Auftaktveranstaltung im Jüdischen Museum Berlin. Im August 2025 werden die ersten Interviews erstmals in voller Länge veröffentlicht. Im November 2025 verlieh ELNET den Preis in der Kategorie Kultur an KOLOT.
Die Videointerviews von KOLOT gehen in die Sammlung des Jüdischen Museums Berlin ein. Das Projekt knüpft damit an die Tradition der oral history an, um jüdisches Erinnern als Zeugenschaft und als aktive Praxis festzuhalten.
Geplant sind 20 Videointerviews. Die Fortsetzung des Projekts ist angestrebt.
Das Projekt wird von OFEK e.V. getragen und durch die Förderung des Bundesministeriums des Innern ermöglicht.

Mehr Informationen folgen demnächst.
Der Trägerverein von KOLOT, OFEK e.V., ist die erste Fachberatungsstelle in Deutschland, die auf Antisemitismus und Communitybasierte Betroffenenberatung bei Gewalt und Diskriminierung spezialisiert ist. OFEK arbeitet bundesweit und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: 1.) fallbezogene Betroffenenberatung, 2.) Stärkung und Empowerment der Community, 3.) antisemitismuskritische Beratung für Institutionen, 4.) Advocacy und fachpolitische Interessensvertretung.
OFEK ist erreichbar über die bundesweite Hotline und verfügt über Beratungsstandorte in Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (im Aufbau). OFEK berät vertraulich und kostenfrei zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen. Die Beratung von Betroffenen orientiert sich an den fachspezifischen Qualitätsstandards professioneller Opfer- und Antidiskriminierungsberatung. OFEK leistet Beratung zu rechtlichen Möglichkeiten im Umgang mit Antisemitismus, psychosoziale Betroffenenberatung bei Vorfällen und psychologische Beratung und Krisenintervention, fallbezogene Öffentlichkeitsarbeit und vermittelt bei Bedarf professionelle weiterführende Angebote. OFEK berät ungeachtet der strafrechtlichen Relevanz, stärkt die Ratsuchenden, richtet den Blick auf Handlungsmöglichkeiten und berücksichtigt in der Beratung familienbiografische Erfahrungen mit Antisemitismus und Diskriminierung. Fallbezogene Beratung ist stets parteiisch im Auftrag der Betroffenen und orientiert sich an ihren Wünschen und Bedürfnissen. Alle Angebote können auf Deutsch, Hebräisch, Russisch und Englisch in Anspruch genommen werden.
OFEK bietet darüber hinaus stärkende Gruppenberatung und passgenaue Empowerment-Formate an und leistet Awareness-Begleitung von Veranstaltungen. An Institutionen im Kultur- und Bildungsbereich, Verwaltungen und zivilgesellschaftliche Träger:innen richten sich OFEK-Formate der institutionellen Fachberatung zu Schutzkonzepten, Notfallplänen und Interventionsmanagement sowie zahlreiche Weiter- und Fortbildungsformate.
Presseanfragen: presse@ofek-beratung.de | +49 176 46 29 46 08
Es braucht nur Mut. Jüdische Allgemeine, 26.11.2025 (Link)
CPPD-Podcastfolge ERINNERUNGSFUTUR: Nicole Schweiß im Gespräch mit Marina Chernivsky. DialoguePerspectives Podcast, 04.09.2025 (Spotify | Apple Podcasts)
Über die Zäsur sprechen. Jungle World, 21.08.2025 (Link)
KOLOT – קולות – Jüd:innen in Deutschland die Stimme(n) zurückgeben. Radio Corax, 07.08.2025 (Link)
Das »Ofek«-Projekt »Kolot« dokumentiert Erfahrungen von Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach dem 7. Oktober 2023. Jüdische Allgemeine, 07.08.2025 (Link)
Psychologin: Seit 7. Oktober leben Juden in “paralleler Realität”. Katholische Nachrichtenagentur, 06.08.2025 (Link zum Artikel in der Evangelischen Zeitung)
Projekt „Kolot“: Jüdinnen und Juden erzählen von Erfahrungen nach dem 7. Oktober. Deutschlandfunk/Tag für Tag, 06.08.2025 (Link).
Videoprojekt sammelt deutsch-jüdische Stimmen zum Nahostkonflikt. WDR 3 Mosaik, 06.08.2025 (Link)
OFEK startet Portal mit jüdischen Stimmen zu den Folgen des 7. Oktober. Evangelischer Pressedienst, 04.08.2025 (Link zum Artikel in der Jüdischen Allgemeine)
Gesammelte Stimmen – Projekt „Kolot“ erfasst Zeugnisse zum 7. Oktober. Deutschlandfunk Kultur/Aus der jüdischen Welt, 28.02.2025 (Link)
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Stand: 17. Juni 2025
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Es gibt eine Außensicht und eine Innensicht. Die Außensicht lasse ich mal außen vor jetzt, weil da gibt es Menschen, die haben klügeres zu sagen als ich. Die Innensicht ist, dass die letzten zwei Jahre und ein paar Monate schon eine Neuaufstellung waren und eine neue Ausrichtung meines Umgangs mit der Welt, in der ich lebe. Ich bin eigentlich immer schon und uneigentlich ein sehr offener Mensch gewesen. Ich versuche und und will auch so durchlässig wie möglich sein. Ich war vor Jahren sicherlich auch in meiner Kommunikation ideologischer unterwegs als heute. Und trotzdem gehe ich mit größtmöglicher Offenheit auf Menschen zu. Wir können gleich im Detail besprechen, was das heißt, aber die. Ich glaube, der anstrengendste Teil für mich der letzten zwei Jahre und Was waren es jetzt drei, vier Monate, war, dass es eine sehr große Gefahr der Verhärtung gab, auch ehrlich gesagt nachvollziehbarer Weise in. Das Freund Feind denken. Die Analyse wer gefährdet mich und wer nicht? Sehr harte Auseinandersetzungen, die das Unvermögen, vielleicht auch Perspektiven anderer zu sehen, weil man aus nachvollziehbaren Gründen sehr stark auf sich selbst zurückgeworfen wurde. All das empfand ich als wichtig und es war auch wichtig, sich dem hinzugeben, aber empfand ich als extrem anstrengend, weil das bin ich nicht. Und insofern am Ende dieser zwei Jahre. Aber jetzt, wo zum Ersten Mal seitdem ein Jahr zu Ende gegangen ist, dass nicht endete mit Gedanken an Geiseln. Schaue ich zurück und will eigentlich wieder lernen und wieder weicher werden, weil so sehr ich Menschen verstehen kann, ob Juden oder nicht, die sehr hart geworden sind in dieser Zeit.
Mein Weg ist es nicht und wird es auch nicht werden. Ich war am 7. Oktober war ich bei einem Freund zu Hause in seinem Wohnzimmer und wir haben im Fernsehen mitverfolgt, wie sich das alles. Wie diese. Wie diese. Wie diese Katastrophe sich ereignete. Also der siebte war. Ich erinnere mich sehr vage an den 11. September, da war ich sehr klein. Aber ich erinnere mich daran, dass ich. Und dann später meine Familie, dass wir alle einfach einen Fernseher saßen und nicht mehr wegkamen. So ein bisschen ähnlich war das jetzt im Oktober, also der siebte und der achte waren vollkommen unreflektiert. Es war einfach nur ein geschocktes Zuschauen. Ich bin am Neunten oder war das der zehnte? Ich weiß nicht mehr genau, aber einer von den beiden Tagen bin ich nach Kalifornien geflogen für Konzerte. Und auf dem Weg nach Kalifornien im Flugzeug habe ich plötzlich angefangen, Sprachausfälle zu bekommen. Also es war wirklich so, dass die ersten drei, vier Monate, aus welchen Gründen auch immer, ich plötzlich mitten im Satz aufgehört habe zu reden. Ich hatte richtig Wortfindungsstörungen. Und erst sehr, sehr viel später setzte sich dieses Gefühl von „Was ist da eigentlich gerade geschehen?“ Die ersten Wochen waren in gewisser Weise dumpf. Es war ein Schock und ohne jede Reflexion. Ohne jede wirkliche Reflexion. Was es aber auch war, es war vielleicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein sehr starkes Zugehörigkeitsgefühl zu meinem Volk verspürte, dass ich so einen Satz überhaupt sage. Also Worte „Mein Volk“ war vollkommen undenkbar vorher. Nochmal, ich bin so nicht aufgewachsen. Ich habe ja auch bei dir in der Konferenz gesagt, was jüdische Perspektiven angeht, Erfahrungen als als Jude in Deutschland in gewissen Räumen mit Ausnahmen. Ich bin da nicht Profi. Ihr seid da. Ihr seid da, über die Pubertät raus. Ich komme gerade in die Kinderschuhe. Für mich ist das alles neu. Ich kann dem auch sehr viel Gutes abgewinnen, dass ich anders aufwuchs. Und da war zum Ersten Mal ein Gefühl von. Ein Gefühl von Zugehörigkeit zu meinem Volk. Ein Gefühl von. Eine Frage, die entstand, nämlich „Was bedeutet es, Jude in dieser Welt zu sein?“ Das war in der Härte vorher nie notwendig für mich, sich diese Frage zu stellen. Aber auf deine Frage zurück. Den 7. Oktober habe ich am Fernseher verbracht. Den Achten auch. Und dann habe ich meine Sprache verloren.
Der 24. Februar 22, der quasi das neu Entflammen des Ukrainekrieges, der ja schon seit 2014 lief, das war ein anderer Schock, das war eher. Das war eher so ein Zeitenwende Schock. Das war der Schock des Menschen, des Bürgers, des Europäers, des. Es war nicht der Schock des Juden eine ganz andere Erfahrung gewesen. Es war kein. Es war kein Schock, der zu Wortfindungsstörungen führte, sondern es war eher ein Schock, der zu, der zu sehr viel Respekt tatsächlich führte. Respekt gegenüber der Gegenwart, wie sie sich jetzt entfaltet. Mir war sehr schnell bewusst und sehr schnell klar, auch weil ich beschenkt bin in meinem Leben mit sehr guten Freunden, die teilweise auch einfach in Verantwortungspositionen stehen. Und mir war sehr schnell klar, hier verändert sich sehr grundsätzlich etwas. Ich habe einen enormen Respekt vor dieser neuen Zeit. Mit Russland hatte ich schon fast überhaupt gar nichts zu tun. Ich war einmal in meinem Leben dort, nach unserer. Also das stimmt nicht ganz. Ich war zweimal da, nachdem wir emigriert waren, 1995. Dann war ich als kleines Kind zweimal da, dann war ich fast 17, 18 Jahre überhaupt nicht vor Ort. Dann 2019 zweimal, fand es furchtbar. Ich habe keine Verbindung nach Russland. Ich habe aber auch keine Verbindung in dem Sinne in die Ukraine, außer dass meine Großeltern aus der Ukraine stammen. So, und zwar von beiden Seiten, mütterlich und väterlich. Das war eher ein Bürger, Citoyenne, Mensch, Moment. Der 7. Oktober war ein jüdische Moment. Diese Frage. Was bedeutet diese. Was bedeuten die Worte, es war eine jüdische Erfahrung. Dieser Frage gehe ich seitdem nach. Ich habe da keine Antwort. So es was ich bin. Ich. Ich habe mich. Ich habe Konzerte gespielt in der Zeit zum Beispiel. Alle, alle durchgezogen, in Los Angeles durchgezogen, in Italien durchgezogen, alles durchgezogen. Ich konnte einfach nicht wirklich sprechen. Und erst im November, ich glaube, es war Ende November, bin ich an die Öffentlichkeit gegangen damit. Und als ich dann mit Giovanni di Lorenzo saß für das Interview, für die Zeit ist, ist der Satz „Mein Volk wurde angegriffen“, war aus dem Affekt heraus entstanden und ich habe mich selber erschrocken, weil ich das noch nie so gespürt habe. Ich weiß immer noch nicht, was das heißt. Genau. Nochmal. Nochmal. Es heißt, es hat bis jetzt in diesen zwei Jahren sehr viel geheißen. Es gab Zeiten, wo ich nur noch meine jüdische perspectiva zugelassen habe, nicht mehr die Perspektive des Bürgers, nicht mehr die Perspektive des Menschen, generell. Die Perspektive des Juden. Was macht mich wütend? Was macht mich froh? Was macht mir Angst? Wovor spüre ich Gefahr? Auch ich hatte Momente, eine sehr, sehr großen Verhärtung zugelassen, auch gegenüber anderen Menschen. Habe sehr, sehr viele Menschen in meinem Leben verloren. Nicht weil es Streit gab, sondern weil die einfach weg waren. Aus dem engsten Freundeskreis im Grunde niemanden. Da bin ich auch sehr froh drum. Vielleicht mit einer halben Ausnahme, aber so alles darüber hinaus sind 9/10 Menschen einfach nicht mehr in meinem Leben. Ist auch okay. Ich wünsche ihnen nichts Böses. Die sollen alles in Ordnung. Habe aber auch sehr viele. Nicht sehr viele, aber. Habe auch Menschen in mein Leben in meinem Leben neu kennengelernt und auch neue Freundschaften tatsächlich gewonnen und gefunden, die mich unheimlich bereichern. Da sind Juden darunter, das sind Nichtjuden darunter, das ist das ist. Der eine Strauß von Blumen ist sehr, sehr viel kleiner geworden, aber es ist. Es entsteht gerade ein neuer. Was das für mich aber heißt oder zu reflektieren darüber, was das jetzt bedeutet, so ein jüdisches Calling, gespürt zu haben. So weit bin ich noch nicht. Fakt ist aber zu dem Menschen Igor, dem Musiker, dem Bürger, dem Europäer, dem diesem, dem jenem, der ich nach innen immer war und als derjenige, als der ich auch nach außen gewirkt habe, ist aber mit Wucht und Vehemenz der Jude Igor dazugekommen. Und das ist ein sehr großes, sehr wichtiges, sehr überforderndes, teils verwirrendes, aber alles in allem sehr schönes neues Kapitel. Ich habe, glaube ich, sowas gesagt wie „Kein Ereignis hat mich so sehr zum Juden gemacht wie dieses“. Da ist die Erklärung nochmal sehr einfach. Ich hatte ein sehr starkes, fast brennendes Zugehörigkeitsgefühl entwickelt zu meinen Leuten, zu meinem Volk. Und das war vorher unterbewusst sicher auch da. Antisemitismus habe ich vorher auch erlebt. Antisemitismus hast du erlebt, haben wir erlebt, erleben wir mal hier, mal da. Das, versteh mich nicht falsch, das langweilt mich. Das kennen wir ja, mich. Wenn ich vergleiche, wie sehr mich Opportunisten aufregen, muss ich ehrlich gesagt sagen Antisemiten, die sich als solche zeigen, das geht mir rechts rein und links raus mittlerweile. Das kenne ich, damit kann ich umgehen, da habe ich Werkzeuge. Also ich bin in Russland geboren, damals noch Sowjetunion, kurz vor, kurz vor Zerfall im heutigen Nischni Novgorod, im ehemaligen Gorki. Wir sind was, was mein. Was meine früheste Kindheit in Russland angeht, ist das aber auch alles, was ich dazu sagen kann. Ich habe keine Erinnerungen daran, weder bildlich noch emotional. Wir sind anfang Dezember 1995 nach Deutschland emigriert, waren zuerst in Dortmund. Und sind dann nach Hannover gezogen mit der ganzen Familie. Hannover war der Grund war die Musik. Der Grund war die pianistische Ausbildung von meiner Schwester, die damals noch gespielt hat und von mir. Hannover wurde zum zu Hause. Auf eine gewisse Weise ist es das immer noch. Meine Familie ist dort, mine Musikhochschule ist dort. Einige Freunde sind da. Ich habe da eine Professur. Ich unterrichte da. Meine Studenten sind dort. Und von da aus ging einfach vieles los. Das ist jetzt ziemlich genau 30 Jahre her. Ja, und irgendwann fiel mir dort die Decke auf den Kopf und ich bin am 1. Januar 2016 nach Berlin gezogen. In Berlin bin ich also jetzt ziemlich genau zehn Jahre. Und was soll ich noch mehr erzählen? Ich bin nicht so gut im mich erinnern. Ich bin ich. Mir bedeutet gestern, das Gestern nicht sehr viel und ich bin sehr im Heute und Hier verwurzelt. Ich kann darüber viel besser sprechen und dem Morgen traue ich nicht über den Weg. Es gab zu Hause keine jüdischen Traditionen, die wurden nicht gelebt. Ich bin nicht in die Synagoge gegangen als als junger Mensch. Mein. Mein Freundeskreis entstand langsam nicht aus diesen sozialen Räumen. Meine Freunde, Menschen, die zu Freunden wurden, dass waren Zufallsbegegnungen in, natürlich zuerst in schulischen Räumen, dann in studentischen Räumen, aber später dann wirklich durch Zufälle. Ja und es wuchs ein Freundeskreis zusammen, aus Menschen, aus verschiedensten Richtungen. Manche führen ein Café Restaurant in Hannover, sind aller engste Freunde. Einer ist Journalist. War früher noch viel mehr Journalist. Ist heute Think Tanker. Manche kommen aus der Mode, manche sind Ärzte, manche so. Aber es waren nicht Freundschaften. Ich habe kein aktives jüdisches Leben gelebt. So und der Erste. Ich hatte einen Kommilitonen in der Musikhochschule, der hat einen ähnlichen Werdegang wie ich. Er war ein Freund, als ich Student war. Ich habe den seit, weiß ich nicht zehn, acht Jahren nicht mehr gesehen. Also das ist kein. Das ist ein russischer Jude. Aber, auch da jüdische Themen waren nicht auf dem Speiseplan. Die hat es einfach nicht gegeben. Natürlich wusste ich immer, wer ich bin. Aber darüber hinaus gab es, gab es das nicht in meinem Leben und ich habe das ja mehrfach schon erzählt.
Der erste. Der erste Mensch, dem ich begegnet bin, der zum Freund wurde. Bei dem das Jude sein in dieser Welt ein zentrales Thema war. Nicht das einzige, aber eines der zentralen Themen. Der erste, der mich auch ein Stück weit verstanden hat. Als ich von ersten antisemitischen Erfahrungen berichtete, war Maxim Biller, aber da war ich 24. Und auch da waren es nicht. Waren es natürlich neue Themen, neue Gespräche. Aber es war immer, das merke ich im Nachhinein. Ich habe diese Gespräche über das Jüdischsein in Deutschland und in der Welt mit ihm geführt aus so einer Bürger Außenperspektive. Das war interessant für mich, intellektuell. Es war. Es war wichtig, über Erfahrungen zu sprechen. Es war wichtig, zuzuhören. Er war mir wichtig, er ist mir immer noch unheimlich wichtig. Aber diese Vogelperspektive, die ja auch für Sicherheit sorgt. Die gelang mir nach dem 7. Oktober nicht mehr. Das ist. Das ist. Das ist vielleicht der Hauptunterschied. Mir ist es nicht mehr gelungen zu sagen „ich zoome mich mal raus“, weil ich bin ja vor allem Mensch in dieser Welt und Bürger in diesem Land. Citoyenne in meinem Selbstverständnis. Das ist mir einfach nicht mehr gelungen. Ich war sozusagen mitten im Schlamm, ja. Mittendrin. Und plötzlich waren die Gespräche mit, mit mit jüdischen Freunden ganz andere. Irgendwann habe ich dann andere kennengelernt. Irgendwann kam Mischa in mein Leben. Michel Friedman. Irgendwann kam kam Laura in mein Leben. Wir haben uns irgendwann kennengelernt, aber das war. Das ist alles. Maxim ist eine Ausnahme, da ist die Freundschaft sehr lang. Mischa habe ich kennengelernt, wenige Jahre vor dem 7. Oktober. Da ist die Freundschaft am Zweitlängsten, essentiell und zentral, aber vielleicht jetzt vier, fünf Jahre alt. Aber das sind Begegnungen, also Laura Kassels und andere, die sind jetzt passiert. Aus diesem. Aus diesem Schock heraus. Und das sind, da sind Freundschaften entstanden, die unglaublich bereichernd sind für mein Leben. Aber ich bin der Lernende in diesem Freundschaften. Ich bin derjenige, der Fragen stellt und nicht derjenige, der den Leuten, der den Menschen was erklärt. Ich bin. Ich mag es, der Lernende zu sein. Und. Fakt ist aber auch, ich werfe nicht meine bisherige Biografie über Bord. Das heißt die Perspektive des Menschen in dieser Welt. Der auch eine jüdische Perspektive mal hinterfragt, auch kritisch hinterfragt. Die gebe ich nicht nur nicht auf, sondern die will ich wieder bestärken, weil Verhärtung und Undurchlässigkeit mich sehr unglücklich machen. Das merke ich jetzt. Als als Mensch in der Öffentlichkeit. Und da liegst du oder bist du Teil eines anderen Spiels. Bleiben wir bei Deutschland. Ich bleibe, sage ich mal in der Außenrolle. Das ist ein Thema, das finde ich recht unkompliziert und auch kann ich recht unemotional darüber sprechen. Kann man sehr wohl aus der Vogelperspektive mal beobachten. Nehmen wir den Fall Lahav Shani wird in Belgien oder sein Orchester wird in Belgien ausgeladen. Die Münchner Philharmoniker, weil Lahav Shani als israelischer Dirigent. Nach Meinung der belgischen, der politisch Verantwortlichen in Flandern irgendwie kein sich nicht genug distanziert hat und keine Briefe unterschrieben hat. Egal. Was passiert. Ganz reflexartig.
Selbst ich, ich bin einer von einer Handvoll sehr öffentlich wirkenden Juden in diesem Land. Du weißt, es gibt nicht viele von uns. So, es gibt vielleicht zwei Handvoll, die wirklich sich auch zur Aufgabe gemacht haben, wirklich rauszugehen und auch groß rauszugehen. Und es kommt der Anruf. Es kommt der Anruf von der ARD. Würdest du dazu. Würden Sie dazu ein Interview geben. Weshalb rufen Sie mich an? Sie rufen mich an. Klar, ich bin irgendwie. Ich bin klassischer Musiker. Ich bin in Deutschland ein sehr bekannter klassischer Musiker. Und ich bin Jude in Deutschland und auch sehr bekannt und auch als solcher mittlerweile sehr bekannt. Also liegt es nahe, wir fragen Ihn. Es gibt klassische Musiker, die sind noch viel bekannter hier, die sind viel, viel, viel länger berühmt hier. Die hätten Sie auch fragen können. Nein, sie rufen mich an. Ich mache Ihnen das gar nicht zum Vorwurf. Aber es gibt gewisse Reflexe. Dann greift so ein Zahnrad in das andere. Jetzt kommt meine Perspektive. Es kommt so ein Anruf rein. Ich musste ihn nicht annehmen. Wenn ich ihn annehme, muss ich nicht Ja sagen. Ich muss mir den Quatsch nicht geben. Ich muss mir die, den, verzeiht meine Wortwahl. Ich muss mir den Scheiß nicht geben, der dann irgendwiedanach losgeht. Ich muss das alles nicht machen. Nein, ich mache es. Erstens habe ich dazu was zu sagen, zweitens habe ich eine sehr, mag ich die Münchner Philharmoniker sehr. Ich stand wenige Tage vor einem Konzert mit Lahav Shani und dem Israel Philharmonic Orchestra in München. Also es gibt eine Verbindung. Aber gefragt zu werden, ständig und überall. Als öffentlich bekannter Jude in Deutschland zu jüdischen Themen, gehört zu dem Spiel dazu. Das ist in den letzten zweieinhalb Jahren extrem gewachsen, sehr viel mehr geworden als vorher. Auch weil ich mich als solcher geoutet, also geoutet, weil ich mich als solcher positioniert habe. Ganz bewusst nicht, was das Thema der Analyse des Nahostkonflikts angeht, weil anders als sehr viele. Keine Ahnung. Sehr viele selbst ernannte Turboexperten mit Tiktok Universität PhD habe ich dieses, habe ich, habe ich. Mir fehlt ehrlich gesagt wirklich das Selbstbewusstsein, rauszugehen, ob in den sozialen Medien oder sonst wo und über ein Thema zu sprechen, was ich seit 14 Tagen kenne. So. Und ich bilde mich nicht weiter über Instagram Reels. Das ist ein anderes Thema. Nein, ich habe mich bewusst dazu entschieden, über das zu sprechen, worüber ich sprechen kann, nämlich mein Leben hier in Deutschland, auf dem Boden dieses Landes mit seinen Kontexten, seinen Gesetzen, die ich falsch oder richtig, für falsch oder richtig halten kann, die ich aber kenne. Ich habe mich dazu entschieden, vor allem darüber zu sprechen. Und natürlich habe ich dann auch Geschichten aus Israel mit einbezogen in diese, in diese, in dieses Agieren. Wenn sie sich die Familie von Alon Ohel meldet, der ja Geisel war. Der Pianist ist und fragt und die Anfrage kam würdest du quasi eine Art Geschichtspatenschaft übernehmen für diesen jungen Mann. Natürlich habe ich das gemacht. Natürlich bin ich in Räume gegangen, wo es um Geiseln ging und habe entweder Klavier gespielt oder mit Menschen gesprochen, versucht sie zu unterstützen. Alles, alles gemacht. Aber ich habe mich engagiert zu einem Thema und mich auch positioniert. Zu einem Thema, das ich überblicken kann und greifen kann. Mich mein Leben hier. So und das hat dann dazu geführt. Plötzlich wirst du gefragt. Und ich würde so weit gehen zu sagen, du wirst ausgenutzt. Und das weißt du sehr, das weißt du auch sehr genau. Und sich da nicht so eine Eitelkeit hinzugeben ist, glaube ich, wirklich wichtig. Denn. Du wirst natürlich exakt so lange gefragt und ausgenutzt, wie das Thema aktuell ist. So, das ist die perspectiva. Das ist jetzt mal das Spiel, der Öffentlichkeit.
Du hast mich gefragt nach Menschen Mitmenschen, Gegenmenschen. Ich habe einen sehr engen Freund. Und das ist eine große Untertreibung. Das ist ein Mensch, ohne den ich mir mein Leben nicht vorstellen will. Diese Freundschaft ist mir heilig. Der hat eine. Nicht ganz, aber teils eine andere Perspektive. Kein Jude. Auf die letzten zwei 2 und halb Jahre. Vor allen Dingen seit Beginn der Gegenoffensive, als ich sie habe. Ich will da jetzt nicht ins Detail gehen. Und da gab es sehr schwere Momente in diesen zwei Jahren. Sehr schwere Auseinandersetzungen, Gespräche. Wenn ich von Verhärtungs Gefährdung bei mir spreche, dann basiert sie vor allen Dingen auf dem Erlebnis dieser, also auf dem Erleben dieser konkreten Freundschaft. Und da stand es, wie die Deutschen sagen, mal kurz Spitz auf Knopf. Was immer das heißen soll. Da war es eine minute vor zwölf. Die Gefahr war da, dass durch gegenseitige Verhärtung eine Freundschaft auseinanderfliegt. Ich habe manchmal zu Hause gelegen und gedacht, die negativsten Gedanken zu diesem Menschen gehabt. Manchmal habe ich zu Hause gelegen und gedacht „Habe ich irgendwas gemacht? Was, sehe ich und was nicht?“ Es gab gegenseitigen. Das ist ein Mensch, mit dem ich wirklich unendlich oft kommuniziere und spreche jeden Tag zwei, mindestens eine Handvoll Mal. Also wenn ich sage, es gab mal zwei Wochen Sendepause. Das ist wirklich lang für diese Beziehung. Und. Am Ende dieser zwei Jahre steht das Resultat dieser, das Resultat dieser schweren Auseinandersetzung mit ihm zum Teil ist. Zumindest sehe ich das so, ich glaube er auch, dass diese Freundschaft eigentlich besser, noch tiefer geworden ist, als sie vorher war. Und weißt du, was da passiert ist? Und das finde ich, das hat mich wirklich genervt. Auch er steht in gewisser Weise in Öffentlichkeit. Das heißt, wenn er Sachen sagt oder Sachen tut, dann kriegen das Menschen mit. Ich bekomme Anrufe. Hast du das gesehen? Und du bist immer noch mit.. Also, solche Anrufe. In sehr, sehr schwachen Momenten haben diese Anrufe was mit mir gemacht. Es kam mir vor, als seien diejenigen, die mich da anrufen. Mitmenschen. Ja, Fakt ist, verzeiht meine Wortwahl. Ein Scheiß sind sie, meine Mitmenschen. Denn das waren teils, teils Leute, die haben eine Situation ausnutzen wollen. Die sprechen und sagen Sachen, die klingen alle toll und ich bin auf deiner Seite und ich bin und guck mal hier und guck mal da und ich stehe für dich ein und ich poste X und ich veröffentliche Y und ich demonstriere da und ich kämpfe doch auf deiner Seite. Usw usw usw. Ja, ihr seid alle nicht meine Freunde. Er ist mein Freund. Er ist mein Freund und ich lasse eine Freundschaft nicht über die über die Wupper gehen, weil ich gerade einen thematischen Konflikt habe. Seid ihr verrückt geworden alle? Ich habe mich häufig nach dem 7. Oktober gefragt.
Sind die anderen, sind diese 9/10, die ich vorhin erwähnt habe, sind die von mir weggeschwommen oder ich von ihnen? Ich würde sagen, es ist ein bisschen, es ist ein bisschen von beidem. Mein Wertekatalog hat sich nicht verschoben. Meine Perspektiven auf gewisser Weise haben sich zum Teil verändert. Ich war immer schon ein Freund der Unterscheidung, wer ist mein Feind und wer ist mein Gegner? Mein Gegner kann auch mein. Ich kann mit meinen Gegnern super Abend haben. Ich kann mit meinem Gegner in die besten Auseinandersetzungen. Ich finde Gegner großartig. Mit meinem Feind kann ich das nicht tun. So. Und die Erfahrung, die ich gemacht habe nach dem 7. Oktober, sowohl privat als auch vor allen Dingen öffentlich, ist das doch sehr häufig Menschen versucht haben, in diese Lücke reinzustoßen, reingehen. Die, die da heißt „Oh, jetzt hat er keine Ahnung, jetzt sieht er doch auch die Probleme mit den Linken. Jetzt geh ich rein“. Und ich muss sagen Freunde. Also unterschätzt bitte nicht. Also, hier drin funktioniert es noch. Ja, ich kann. Ich weiß genau, wer ihr seid. Ich weiß genau, was ihr die letzten Jahre gemacht habt. Ich. Sutje. Ja, ich. Ich. Und. Und das war eine. Das ist eine nervige Erfahrung. Und ich glaube genauso wenig wie ich sehr vielen, sehr vielen auf der linken Seite ihren Kampf für das große universelle Menschsein nicht mehr abkaufe, weil sie viel zu schnell das Jüdische unter den Bus geworfen haben. Genauso wie ich mit denen nichts mehr zu tun haben will. Ich kann auch konkrete Beispiele nennen. Ja, genauso wenig will ich zu tun haben mit mit irgendwelchen Rechten, die jetzt plötzlich auf mich zugehen und den großen Philosemiten machen. Auf der Brücke von Eirklichem. Also auf, auf und dazu und und dafür über wirklich alle Themen trampeln, die mir wichtig sind. Die Rassisten sind, die Menschen gegeneinander ausspielen, die für all das einstehen, für das ich wirklich nicht einstehen will. Ich muss mir sagen „Stay out of my camp“. Und dazu gehört meine Erfahrung oder mein Grundsätzliches. Die Überzeugung nach diesen zweieinhalb Jahren. Ich spreche für keinen Verein mehr, ich spreche für keine Partei, für keine Fahne, für keine Bewegung. Ich spreche nur noch für und mit Menschen, denen ich individuell, die ich individuell kenne und denen ich vertraue. Der Wunsch, auch dazuzugehören, zu Vereinen, Gruppierungen, Parteien, Bewegungen etc. Ja, der ist vorbei. So sehr mich das übrigens zu Beginn geärgert hat und auch traurig gemacht hat, da muss ich sagen mittlerweile, ich empfinde das als eine große große Befreiung und einen echten Gewinn in meinem Leben. Es ist eine große, eine viel größere Klarheit entstanden, weshalb ich mit wem Hand in Hand mich öffentlich zeige, ja. Und es ist nicht weil weil derjenige oder diejenige zu einer Bewegung, Partei oder was auch immer gehört, die irgendwelche Ideen Kataloge präsentiert, wofür sie alles einsteht und wofür sie alles kämpft, muss ich sagen, legt euch gehackt. Also das hat mit meiner Erfahrung der letzten Jahre nichts zu tun. Großdemonstrationen gegen Rechts, was für ein doofer Titel, bei denen kein einziger Jude auf der Bühne zu Wort kommt, können mir gestohlen bleiben. Da könnt ihr sonst was drucken und erzählen, dass ihr für alle einsteht, da steht keine einzige jüdische Stimme auf der Bühne. Und ich weiß, und wir wissen, wie solche Organisationen wie solche Events geplant werden, wie solche WhatsApp Gruppen aussehen. Wie jede Minderheit einer jeden Minderheit, einer jeden Minderheit zurecht und nachvollziehbar repräsentiert werden will. Ja, und dann da so keine einzige jüdische Stimme. Verzieht euch! Und während ich verzieht euch sage. Seid froh, habt, macht es, seid glücklich, macht es, ist alles okay. Aber ich das. Ihr seid nicht meine. Ich spiele nicht mehr in eurem Sandkasten. Ihr habt mich da. Ihr wollt mich darin nicht haben. Ich bin nicht mehr dabei. Und ja, das ist eine Erklärung. Es ist ein Beispiel unter vielen. Es hat sich aber auch insofern vieles geklärt, weil sich auch vieles vertieft hat. Es gibt ja noch diese Freundschaft, von der ich erzählt habe, ist eine tiefere geworden. Es ist eine bessere geworden, ist eine offenere geworden, ist eine durchlässigere geworden. Ich habe daraus gelernt. Ich bin glaube ich, zu einem besseren Freund geworden über diese Zeit, als ich es vorher war. Es haben sich Beziehungen vertieft, von denen ich früher schon dachte, die sind eh super. Ich kann dieses. Ich höre dann irgendwie Antisemitismus im Kulturbetrieb. Ich kenne einen Kulturbetrieb, die Teile der deutschen linksradikalen Punkerszene sind auch Kulturbetrieb. Ich kenne kaum solidarischere Menschen als die. Ich spiele nicht mehr im Sandkasten von Leuten, die mit, mit, mit, mit knackig klingenden Überschriften versuchen, Politik zu machen. Verzieht euch. Nicht in meinem Namen. Seid präzise, argumentiert, präzise, analysiert präzise, aber macht nicht so breiten Pinsel. Erklärt nicht mit einem breiten Pinsel „die kulturlandschaft für“, weil euer Interesse liegt wo ganz anders Und das weiß ich. Gibt es Antisemitismus im Julturbetrieb? Selbstverständlich gibt es Antisemitismus. Es gibt Antisemitismus im Kulturbetrieb. Selbstverständlich gibt es ihn. Es gibt Antisemitismus, der der ist. Ich habe ihn persönlich in meiner Welt und die ist, glaube ich, nicht besonders weit hergeholt, auch Teil des Kulturbetriebs, nicht erlebt. Niemand aus der klassischen Musikwelt, in der ich tätig bin, ist zu mir gegangen und hat gesagt, Keine Ahnung. “Die Welt seit zweieinhalb Jahren ist ein schlechterer Ort und schuld bist du“, so ein doofes Beispiel Das hat es nicht gegeben. Ich wurde nicht aus Konzerten.. Opportunismus hat es gegeben, Ja. Feigheit hat es gegeben. Menschen, die versucht haben, die sich nicht verhalten haben, das hat es gegeben. Das ist aber nicht Antisemitismus. Ich muss. Ich. Ich muss. Wir müssen, glaube ich, wirklich mit Begriffen sehr, sehr bewusst umgehen. Wenn sich jemand nicht verhält, was die jüdische Sache angeht, ist er nicht Antisemit. Sofort, Automatisch. Er ist vielleicht Feige. Er ist ein Opportunist. Das macht ihn übrigens nicht besser als einen Antisemiten, im Gegenteil, Aber. Aber es hilft nicht, Begriffe zu vermischen. Das ist ja auch deine Arbeit. Das weißt du alles zehnmal so gut wie ich. Ich. Und in harten Momenten, in ideologischen Momenten, die auch ich hatte die letzten zweieinhalb Jahre. Habe ich auch dagesessen und gedacht „Ihr seid alle Antisemiten. Ihr seid alle gleich.“ Und das ist natürlich einfach, das ist einfach keine Art, mit der Gegenwart umzugehen und umzugehen und auf die Welt zu blicken, die mir gefällt. Having said that, das habe ich, glaube ich, bei der bei der Tagung auch gesagt. Mein Werkzeugkasten mit Antisemiten umzugehen, ist sehr viel größer, sehr viel besser als mein Werkzeugkasten mit Opportunisten umzugehen. Die machen mich krank. Also die sind wirklich keine besseren Menschen. Das ist nur ein anderes, ist eine andere Gefahr. Mit Antisemiten umzugehen, da gibt es, da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Also es gibt von von „Ich hau zurück“, bis „Ich mache mich lustig“, bis „ich ignoriere“, bis „ich zeige an“. Je nachdem, was ich erlebe. So. Wenn mich jemand mit einer, Keine Ahnung. Wenn mich jemand mit einer sehr, sehr großen Nase malt, trifft er bei mir erstens einen eitlen Punkt. Ich finde meine Nase zu klein. Wenn jemand irgendwie Karikaturen von mir malt und sagt und ich zitiere „Dein deinHaaransatz läuft vor deinem Faschismus weg“, dann greift mich das an, weil das ein echt eitler Punkt. Ich hätte gerne keine angehende Glatze und ich hätte gerne ein bisschen mehr Haare hier und ich denke mir, das ist wirklich sehr gemein. Es hilft halt nichts. Was soll ich denn tun? Nein, aber im Ernst. Wenn ich wenn beispielsweise. Keine Ahnung. Ich finde wirklich so stürmerhafte Karikaturen von mir online. Ja, okay. Dann muss ich. Dann frage ich mich einfach von Fall zu Fall, was ich damit mache. Wenn jemand. Nochmal, das sind keine neuen Themen. Stürmerhafte Karikaturen habe ich auch schon gehabt vor dem 7. Oktober. Das meine ich. Das ist nicht neu. Wir wissen damit umzugehen. Wir wissen, woher das kommt. Wir wissen, wie das ist. Schwierig ist, wenn es dann von Menschen kommt, von denen man dachte, man sei mit denen in einem Boot. Auch da habe ich auch einen Werkzeugkasten mir zurecht, also mir, mir, mir, mir aufgebaut. Es hat mich sehr geschmerzt, dass Menschen, die gefühlt am 1. Oktober bei mir zu Hause am Esstisch saßen, am 9. Oktober feiern, durch die Straßen liefen. Das hat mich sehr geschmerzt. Und einige Zeit später hat es mich einfach, hat es mich einfach einfach nicht mehr, nicht mehr, nicht mehr interessiert. Sollen sie bitte. Ihr seid. Ihr seid raus. Aber ich beschäftige mich nicht mit euch. Klärung, Stichwort. Also Antisemiten, eigenes Feld. Opportunisten. Menschen, die sich nicht verhalten. Menschen, die sich nach außen nicht verhalten. Auch diesmal, auch in meiner Welt, der Kulturwelt, der klassischen Musik. Menschen, die sich zu allen möglichen Themen verhalten und da nicht. Damit umzugehen, finde ich wirklich sehr schwer. Ich muss mir sehr genau über Konsequenzen bewusst sein. Welche Konsequenzen hätte es, wenn ich jetzt an die Öffentlichkeit ginge und konkret Institution X oder Institution Y an den Pranger stelle, was passiert dann? Hilft es der Sache? Ich sage nicht ja oder nein. Hilft es der Sache? Hilft es mir? Hilft es meinen Leuten? Hilft es? Macht es Menschen wacher und aufmerksamer gegenüber Opportunismus? Verliere ich eine Bühne? Und die Frage stelle ich nicht im Kontext von, verliere ich und Konzerte und verliere ich Geld, sondern verliere ich Publikum. Dafür mache ich das. Dafür stehe ich. Das ist mein Leben, Musik machen, das meine ich so, das ist mein Leben, das ist mein ganzer Lebensinhalt. Deshalb verliere ich plötzlich einen Ort, an dem Menschen da sind, für die ich Musik mache. All diese Fragen muss ich mir stellen, bevor ich für einen Tweet oder für eine Schlagzeile rausgehe. Das heißt, ich versuche, Dinge. Nach innen im Innen zu klären, solange es geht. Aber noch mal mit Feiglingen und Opportunisten umzugehen, halte ich für sehr viel schwieriger als mit sich offen zeigenden Antisemiten und Judenhassern. Ja, ich wünsche mir weniger Härte. Und ich wünsche mir, dass irgendwann mal auch ein Moment von Heilung einsetzt. Und Heilung wird nur gehen, wenn man oder wenn ich wieder weicher werde. Und wieder. Und es schaffe diese verschiedenen Ichs, den Menschen, Dem bürger, den Juden, nicht im Gegeneinander zu sehen, sondern wie so ein Streichtrio ineinander zu miteinander zu verbinden, das wünsche ich mir für mich. Für die Welt, das kann ich nicht formulieren, das überfordert mich. Das ist. Ich habe sehr viel Respekt vor der Zeit, in der wir leben und werde deswegen nicht irgendwelche Einzeiler produzieren. Das ist der Situation nicht angemessen..